— 1109 —
Religion, jede neue Technik, Wissenschaft und Kunst hat
Teile alUler vorigen in sich, sogar der ältesten. Die
menschliche Kultur ist das Werk der ganzen Menschheit, die
neueste kommt nicht nur aus allen vorigen hervor, sondern
n der neuesten ist etwas von der ältesten bewahrt. Sehr
schön sagt Dietzgen: „Was die Geschichte ans Tageslicht
ordert, entwickelt sich historisch, wächst und vergeht, um in
erneuter Form ewig weiter zu leben.“
Recht und Politik jedoch werden einmal, wie wir
sahen, verschwinden, die Religion ist eine Wahnvorstellung
der Wirklichkeit, Kunst nur eine Nachbildung von ihr —
Mein die Abeit, das heißt also, die Technik und die Wis—
senschaft sind bletbend un d reell.
Daher besteht in der Technik und in der Wissenschaft,
im Großen gesehen, ein ewiger Fortschritt, ein immer tie—
seres Graben und ein immer höheres Steigen, eine immer
Deilexe Ausbreitung, weil alles, was sie gaben, von den
Spaͤleren gebraucht wird zum Neuen. Auf diesen zwei Ge—
bieten allein ist eine endlose Entwicklung.
Zweilte Bemerkung.
Wir wollen diesen Teil beenden mit einigen Sätzen
von MNarx selbst, in welchen er mit seinem immer bis zur
Wurzel durchdringenden Geiste das Wesen der Religion
erklärt
Der Anfang jeder Kritik der Religion lautet: Gott
schuf nicht den Menschen, sondern der Mensch schuf die
Gottheit.“
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen
Glückß des Volkes ist die Forderung seines wirklichen
Glucks Die Forderung, die Illusion über seinem Zustand
aufzugeben, ist die Jorderung einen Zustand aufzugeben,
der der Ausionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also
n Keim die Kriu des Jammertales, dessen Heiligenschein
die Religion ist“
Die Religion ist das Selbstbewußtsein und das
Selbsigefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch
nicht erwotben oder schon wieder verloren hat.“
Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich
um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich
selbst bewegt.“
Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß
der Meusch das hoöchste Wesen für den Menschen sei, also
nn dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzu—⸗
werfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknech—
tetes, ein verlassenes, ein berachtliches Wesen ist.