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Vorwort zur ersten Ausgabe.
worden wäre. Das Aufkommen der historischen Schule in der Mitte
des 19. Jahrhunderts z. B. fällt mit dem Wiederaufleben der libe
ralen Schule und des Optimismus zusammen. Der Neo-Liberalismus
der österreichischen Schule entwickelt sich gleichzeitig mit dem
Staatsinterventionismus und dem Kollektivismus.
Trotzdem wird man in dieser Entwicklung einen gewissen Rhyth
mus der Bewegung bemerken: die Doktrin, die man die klassische
nennen kann, tritt zuerst auf, wird dann unter dem Druck von mehr
oder weniger sozialistischen Lehren zurückgedrängt, um später unter
neuen Formen wieder aufzntauchen. Doch darf man sich hierdurch
nicht verführen lassen, hierin nur eine einfache Ebbe- und Flut
bewegung zu sehen, ein Auf- und Abschwanken, das dem ähnlich ist,
das im Parlamentarismus die Vertreter der beiden großen Parteien
abwechselnd zur Macht gelangen läßt. Wenn sich in der Geschichte
der volkswirtschaftlichen Doktrinen Schwankungen der gleichen Art
kund tun, so muß man ihre Ursachen weniger in den Lehren selbst,
als in der Gunst der öffentlichen Meinung suchen, die in Wirklich
keit jedesmal kommt und geht, wie der Wind sich dreht.
Aber die Doktrinen und die Systeme haben ihr eigenes Leben,
das keineswegs nur von der Mode abhängig ist. Es würde genauer
sein, in ihrer Geschichte, wie übrigens in der Geschichte aller Ideen,
einen Kampf ums Dasein zu sehen. Bald folgen sie nebeneinander-
laufenden Wegen und teilen sich friedlich in die Herrschaft über die
Geister; bald branden sie in stürmischen Wogen gegeneinander. Es
kann geschehen, daß in diesem Zusammenstöße die eine der Doktrinen
unterliegt und verschwindet. Öfter aber söhnen sie sich aus und
verschmelzen in der Einheit einer höheren Synthese. Auch kommt
es vor, daß diese oder jene Lehre, die man tot glaubte, lebendiger
als jemals wieder aufersteht.
Die Literatur zur Geschichte der Doktrinen ist außerordentlich
groß. Außer schon höchst zahlreichen Allgemeingeschichten, außer
Kapiteln, die sich in allen volkswirtschaftlichen Abhandlungen mit
ihr beschäftigen, und zahllosen Aufsätzen in Zeitschriften gibt es
kaum einen Schriftsteller, auch unter den unbekannteren, über den
nicht eine oder mehrere Monographien vorlägen. Wenn wir alle
diese Arbeiten hätten anführen wollen, würden wir diesen Band ins
Maßlose haben anwachsen lassen, ohne doch dazu zu gelangen, voll
ständig zu sein. Daher haben wir uns darauf beschränkt, zunächst
selbstverständlich die Werke derer anzuführen, die die Helden dieser
Geschichte sind. Ihre Kommentatoren und Kritiker zitieren wir nur