Full text: Der historische Materialismus

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das unmittelbar Notwendige hinaus erzeugt, ist immer 
größer geworden, und immer größer wurde also auch der 
Reichtum der Besitzenden und immer schroffer wurde der 
Klassengegensatz zu den Besitzlosen. In gleichem Maße 
wuchs also auch der Klassenka mpf, der Kampf, den 
die Klassen um den Besitz der Produkte und der Produk— 
tionsmittel führen, und so wurde er zux allgemeinen Form 
des Kampfes ums Dasein der Menschen in der Gesellschaft. 
Die Arbeitsverhältnisse sind Eigentumsverhältnisse, und 
Eigentumsverhältnisse sind Verhältnisse der miteinander 
kampfenden Klassen; und alle zusammen beruhen sie auf 
der Entwicklung der Arbeit, gehen sie hervor aus dem Ar— 
beitsprozeß, aus der Technik 
Aber die Technik steht nicht still. Sie ist in einer 
rascheren oder langsameren Entwicklung und Bewegung be— 
griffen, die Produktivkräfte wachsen, die Produktionsweise 
aͤndert sich. Und wenn die Produktionsweise sich ändert, 
müssen sich notwendig auch die Verhältnisse ändern, worin 
die Meuschen im Arbeitsprozeß zueinander stehen. Das 
Verhaltnis der früheren kleinen Meister zueinander und zu 
ihren Gesellen ist ein ganz anderes, als jetzt das Verhältnis 
der großen Unternehmer zueinander und zu dem Lohn— 
proletariat. Die maschinenmäßige Produktion hat eine 
Aenderung der alten Verhältnisse bewirkt. Und da in einer 
Klassengesellschaft Produktionsverhältnisse zugleich Eigen— 
tumsverhältnisse sind, werden mit den ersten auch die zwei— 
ten umgewälzt. Und da die Auschauungen, Vorstellungen, 
Ideen usw sich bilden innerhalb der Verhältnisse und nach 
den Verhältnissen, worin die Menschen leben, ändert sich 
ihr Bewußtsein auch, wenn die Arbeit, die Produktion und 
das Eigentum sich ändern. 
Arbeit und Denken sind in fortwährender Aenderung 
und Entwicklung begriffen. Der Mensch verändert, indem 
er durch seine Arbeit die Natur verändert, zugleich seine 
eigne Natur“ Die Produktionsweise des materiellen Le— 
bens bedingt das ganze gesellschaftliche Leben. „Es ist 
nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern 
umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein 
bestimmt.“ 
Aber auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung ge— 
raten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in 
Widerspruch mit den vorhandenen Produktions und 
Eigentumsverhältnissen Innerhalb der alten Verhältnisse 
können sich die neuen Produktivkräfte nicht entwickeln, sich 
nicht ausleben. Dann erhebt sich ein Kampf zwischen de
	        
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