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Steht dies nun aber nicht im Widerspruch mit dem,
was wir behaupteten? Wird damit nicht wieder der Geist
zur ersten Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung?
Wenn der Geist die Technik erzeugt und die Technik die
Gesellschaft, so ist ja doch der Geist der erste Schöpfer
Sehen wir uns die Sache noch etwas näher an.
Der historische Makerialismus leugnet durchaus nicht,
daß der Geist zur Technik gehöre. Wie wäre das auch mög—
lich? Die Technik ist Menschenwerk. Menschen sind denkende
Wesen. Produktionsverhältnisse, Eigentumsverhältnisse sind
Verhaältnisse von Menschen; es wird in diesen Verhält—
nissen gehandelt und gedacht Technik, Eigentums⸗ und Pro—
duktionsverhaältnisse ind sowohl geistig wie auch materiell.
Dies st es nicht, was wir leugnen
Wir leugnen nur das Selbständige, das
Eigenmachtige, das Freiwillaͤge, das Ueber—
nalürliché, das Unbegreifliche des Geistes und
seiner Tätigkeit Wir sagen weun der Geist eine neue
Wissenschaft, eine neue Technik erfindet, da un tut er
dasnichtdgus freien Stäcken, sondernaus
einemgesellschaftlichen Drangoder Be—
darnisheraus
Früher wurden die meisten technischen Erfindungen
gemacht von Menschen, die im Produktionsprozeß selbst
atig waren In ihnen lebte der Drang, die Arbeit besser,
rascher auszuführen, um reicher zu werden, oder alle zu—
sammen reicher zu machen!
Wie daun auch die Gesellschaft beschaffen sein mochte,
klein oder groß, noch Nomadenhorde oder Stamm, feudale
oder kapitalistische Gesellschaft, dieser Drang war gesellschaft—
lich entstand durch ein dkonomisches Bedürfnis In den
Gesellschaften mit gemeinsamem Besitz war es der soziale
Drang, etwas fur die Gemeinschaft zu tun — in den
Klassengesellschaften mit Privateigentum war es der gesell—
schaftuche Brang, etwas für das gesellschaftliche Indivi—
duͤum zu tun, fur den Privatbesitzer oder für die Klasse der
Privatbesitzer
Kein Wunder Da der Mensch ein gesellschaftliches
Wesen und die Arbeit der Menschen gesellschaftlich ist, ist
auch der Drang nach Verbesserung der Arbeit nicht etwas,
das aus dem eigenen Geist des Einzelmenschen, sondern
etwas, das aus seinen gesellschaftlichen Verhältnissen her—
borgeht. Der Drang nach verbesserter Technik, nach Er—
findungen, ist ein gesellschaftlicher Drang; er entsteht durch
gesellschaftliche Bedürfnisse