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Gemeinwohls willen unterstützt man nur die Klassen—
genossen und zieht entschlossen gegen die fremde Klasse in
den Kampf.
Liegt also das Wesen der höchsten Sittlichkeit in
Selbstlosigkeit, Tapferkeit, Treue, Disziplin, Wahrheits—
liebe, Gerechtigkeitssinn und dem Streben nach Ehre und
Lob der Mitmenschen, so ändert sich die Wirkung dieser
Tugenden oder Triebe forlwährend, durch Eigentum, Krieg,
Konkurrenz und Klassentkampf.
Wenden wir, um die Sache möglichst klarzustellen, das,
was wir von Darwin und Marx gelernt haben, jetzt auf
ein individuelles Beispiel aus unserer eigenen Zeikt, aus
unserer eigenen unmittelbaren Umgebung an
Denken wir uns einen Unternehmer, Besitzer einer
Fabrik, die er in heftiger Konkurrenz gegen seine Klassen—
genossen betreibt. Kann dieser Mann gegenüber diesen
Klassengenossen, den Eigentümern der konkurrierenden Fa—
briken, die höchsten, nach der Bourgeoisie ewigen Gebote
der Sittlichteit befolgen? Nein, er muß versuchen, den
Markt für sich zu erhalten oder zu erobern. Er kann das
mit besseren oder schlechteren Mitteln tun, aber er muß es
tun. Vielleicht hat er von Natur aus viel soizales Ge—
fühl — es tut nichts zur Sache, das Gefühl wird durch
seinen Selbsterhaltungstrieb und die Sorge für seine Nach—
kommen überwunden In der Konkurrenz ist es eine
Lebensfrage, den Markt für sich zu behalten, die Kundschaft
auszudehnen. Stillstand ist dort schon der Anfang des
Rückschritts
In dem Maße, wie die Konkurrenz schärfer wird, das
heißt in dem Maße, wie die Technik und der Weltmarkt
sich entwickeln, in demselben Maße wird dieser Fabrikant
weniger sozial empfinden, wird er heftiger auf Selbsterhal⸗
tung, das heißt möglichst großen Gewinn bedacht sein.
Deun je schärfer die Konkurrenz, um so größer die Gefah
des Unterganges
Kann dieser Fabrikant die höchsten Gebote der Silt—
lichkeit seinen Arbeitern gegenüber befolgen? Die Frage
ist lächerlich Mag er von Natur aus ein guter Mensch
sein, mag er sogar besonders stark mit den Leidenden emp
finden, seinen Arbeitern wird er doch einen so niedrigen
Lohn geben müssen, daß seine Fabrik einen großen Gewinn
abwirft. Kein oder ein kleiner Gewinn bedeutel Stillstand.
Der Betrieb muß vergrößert, dann und wann erneuert
werden, sonst steht er in einigen Jahren hinter anderen zu—
ruck und ist nach zehn Jahren konkurrenzunfählg. Die Aus—