Full text : Lexikon der Handelsgeographie

I

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46  Belgien  (Urproduktion:  Wald,  Fischerei,  Bergbau).

weitere  wichtige  Produkte  der  Viehzucht
sind  uoch  Käse,  Butter,  Eier,  Häute  zu
nennen;  davon  wurden  1878
eingeführt  ausgeführt
Käse.  .  .  Kilogr.  3,6«  Milt.  0,io  Mill.
Butter  .  .  -  5,07  -  5,49  -
Häute  .  .  -  32,50  -  25,20  -
Eier.  .  .  Stück  124,33  -  53,98  -
Hiernach  überwiegt  nur  der  Export  von
Butter,  während  in  jeder  andern  Beziehung
die  Abhängigkcitvom  Auslaitd  hervortritt.
—Ein  Bestand  von  586,000  Schafen  kann
der  einheimischen  Industrie  nicht  das  genügendeMaterial
  liefern.  Man  schätzt  die
jährliche  Wollproduttion  Belgiens  auf  ca.
4  Mill.  Zollpfuud.  Die  Fabrikatioil  von
wolleneu"Stössen  (für  Tuche  besonders  in
Berviers  und  Umgebung,  für  Kammgarn
und  gemischte  Stoffe  namentlich  iit  Brüssel
und  Umgebung  zu  Hallse)  arbeitet  für  die
Ausfuhr  in  umfangreichem  Maß.  Dazu
werden  große  Mengen  überseeischer  Wollen, ­
  vornehmlich  aus  den  La  Plata-Staaten,
  bezogen.  Große  Partiell  gehen  auch
auf  beni  Weg  der  Durchfuhr  in  deutsche
Fabrikeil.  Im  Specialhandel  betrug  1878
die  Einfuhr  46,5,  die  Ausfuhr  1,9  Mill.
Kilogr.,  wobei  uiau  den  Einfuhrwert  auf
115,3Mill.Mk.berechnete.  DieseSummc.
welche  B.  für  den  ausländischen  Rohstoff
zahlte,  wird  indes  zlllu  Teil  gedeckt  durch
den  erheblichen  Überschuß  der  Ausfuhr
von  Wollfabrikateu,  denn  es  war  1878
der  Wert  (in  Millionen  Mark):
Wollgarn  .  .  Einfuhr  8,7  Ausfuhr  54,0
Wollgewcbe  .  -  16,6  -  31,1
Übrigens  stand  sowohl  die  Ausfuhr  als
die  Einfuhr  von  Wollgeweben  in  frühern
Jahren  etwas  höher.
Waldknltur.  Auf  das  Forstareal
entfällt  etwa  der  siebente  Teil  des  Landes,
und  der  Südosteu  ist  besonders  gut  bewaldet, ­
  doch  importiert  B.  sowohl  an  Bauholz
als  auch  an  Gerbriude  sehr  ansehnlich:  es
betrug  1879  der  Wert  der  Einfuhr  von
Bauholz,  von  dem  nur  sehr  unbedeutende
Mengen  zur  Ausfuhr  kamen,  33,3  Mill.
Mk.;  von  Gerbriude  lvurden  24,9  Mill,
kg  ein-  und  1b,i6  Mill,  kg  ausgeführt.
Aber  auch  hier  tritt  die  Industrie  exportfähig ­
  auf,  indem  sie  Holzwarcn  im  Wert
von  4,8  Mill.  Mk.  ausführte,  während

für  nicht  ganz  1,2  Mill.  Mk.  vom  Ausland ­
  importiert  wurden.
Die  Seefischerei  wird  nicht  mehr  im
frühern  Umfang  betrieben.  Die  Zahl  der
Ausrüstungen  zum  Stockfischfang  stieg
1846—71  von  126  nach  und  nach  auf
282,  um  bis  1878  wieder  auf  138  zu  fallen. ­
  DerErtrag  erreichte  seine  höchste  Ziffer
1856  mit  3,14  Mill,  kg,  belief  sich'  aber
1878  nur  auf  1,6  Mill.  kg.  Der  Ertrag
der  Kleinen  Heriugsfischerei,  welche  1878
von  40  Booten  betrieben  wurde,  hatte
nur  einen  Wert  von  44,000  Mk.  (1877:
130,400  Mk.).  Zum  Fang  frischer  Seefische ­
  fanden  281  Ausrüstungen  statt,
welche  einen  Ertrag  von  2,i  Mill.  Mt.
brachten.  Der  Bestand  der  Fischerboote
war  im  ganzen  281  mit  einem  Gehalt  von
9132  Ton.  und  1584  Mann  Besatzung;
von  dem  Gesamttonnengehalt  entfielen  auf
Ostende  allein  6314  T.,  Blankenberghe
1020  T.  DaS  Resultat  ist  ein  wenig  günstiges ­
  für  B.,  denn  es  mußte  für  seinen
Bedarf  31,516,000  kg  importieren,  während ­
  es  nur  3,209,000  kg  ausführte.
Der  Mineralreichtum  Belgiens  ist
bedeutend;  Eisen,  Blei,  Schwefelkies  und
Kohle  sind  die  Hanptprodukte  des  Landes.
Mit  Rücksicht  auf  seinen  Flächeninhalt  ist
es  hierin  eins  der  bevorzugtesten  Länder
der  Erde;  auch  greift  die  Ausbeutung,  England ­
  allein  ausgenommen,  auf  die  früheste
Epoche  zurück.  Das  Steinkohlengebiet ­
  umfaßt  11,700  qkm.  Das  Lager
erstreckt  sich  von  W.  nach  O.  fast  durch
das  ganze  Land  und  wird  durch  den  Samsonfluß ­
  in  eine  östliche  und  eine  tvestliche
Hälfte  geschieden.  Aber  die  im  allgemeinen ­
  nur  mittelmäßige  Mächtigkeit  der
Kohlenadern  und  die  zahlreichen  Verwerfungen ­
  derselben  bieten  dem  Kohlenbergbau ­
  große  Schwierigkeiten.  Auch  zeigen  die
Kohlen  in  ihren  Eigenschaften  erhebliche
Verschiedenheiten.  Die  gesamte  Jahresproduktion, ­
  nach  Qualitäten  eingeteilt,  ergibt ­
  folgendes  Prozentverhältnis:  Magerkohle' ­
  12,  Halbfettkohle  45,  Fettkohle
27,  Flammkohle  16  Pro;.  Die  Produktion ­
  nimmt  von  Jahr  zu  Jahr  zu.  Zwar
waren  1878  nur  81,032  Grubenarbeiter
beschäftigt  (gegen  101,343  in  1877);  aber
die  Zahl  der  Gruben  stieg  von  295  auf  300,
            
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