Fleischer
Es ist eine ebenso merkwürdige wie bekannte Erscheinung, die vielen zuerst unverständlich
ist, daß im Handwerk im allgemeinen und im Fleischerhandwerk im besonderen, die Umsatz-
erhöhung in einem Betriebe die Geschäftsunkosten nicht nur absolut, sondern relativ erhöht.
Dies erklärt sich daraus, daß im Handwerk, solange und weil diese Betriebe stets Handwerks-
betriebe bleiben, eine Vergrößerung der Betriebe nur, um sich anschaulich auszudrücken, durch
ein Nebeneinandersetzen von mehreren Kleinbetrieben zu erreichen. ist. Dabei zeigen sich dann
folgende Erscheinungen:
Es ist im allgemeinen ein gewisser Leerlauf nicht zu vermeiden, da doch auch verkauft
werden muß.
Dieser Leerlauf ist vor allen Eu auch deswegen notwendig, weil das Personal so
zahlreich gehalten werden muß, daß es einer Höchstbeanspruchung (z. B. am Sonnabend)
sowohl in der Werkstatt wie im Laden gewachsen ist. Der kleinere Betrieb, vor allen
Dingen der mit seiner Familie arbeitende Meister, kann diese Höchstbeanspruchung
leichter zwischen Werkstatt und Laden ausgleichen.
Das Filialsystem erhöht, je weiter es ausgebaut wird, in der Fleisch- und Wurstbranche
wegen der leichten Verderblichkeit der Ware, in immer wachsenderem Maße die Spesen.
Die Verluste werden mit Vergrößerung des Betriebes durch die immer weniger möglich
werdende Überwachung des Personals immer größer, Diese Verluste können entstehen:
a) durch unehrliche Handlungen,
b) durch unrationelle Arbeit der Arbeitnehmer,
c) durch besonders großen Umfang des abfallenden Materials und der Unmöglichkeit
rationeller Verwendung.
5. Der persönlich mit der Kundschaft verkehrende Betriebsinhaber wird die Kundschaft
besser bedienen, als irgendwelche Angestellte, und damit hesser wirtschaften.
Aus der sorgfältigen Nachprüfung der Reingewinne buchführender Fleischer haben wir uns
folgende Reingewinne bei den einzelnen, obengenannten 3 Betriebsarten errechnet und zwar:
1. für Kleinbetriebe . 6—8 %. ;
2. für Mittelbetriebe . 5—7 %.
3. für größere Betriebe 4—6 %.
Ein Reingewinn über 8% kann. unseres Ermessens tatsächlich nur dann vorliegen, nie
aber über 10 °% hinausgehen, wenn ein ganz besonders günstiger Einkauf möglich ist oder das
Geschäft besonders zahlungskräftige Kundschaft besitzt. In allen anderen Fällen, bei denen viel-
leicht vom Betriebsinhaber selbst ein höherer Reingewinn angegeben wird, kann nur einer der
folgenden Irrtümer vorliegen:
in der Inflations- oder Nachinflationszeit hat der betreffende Betriebsinhaber sein Ver-
mögen vermehrt, ohne dem Finanzamt davon Kenntnis zu geben, und versucht nun nach-
Täglich diese Verschleierung dadurch wieder gutzumachen, daß er einen erhöhten Ver-
dienst angibt und dann. langsam diesen Vermögenszuwachs durch hohe Einnahmen he-
legen will. E
Es werden Gewinne, die nicht aus dem Gewerbebetriebe stammen, sondern z. B. Haus-
erträge oder Spekulationserträge darstellen, als (Gewinne aus dem Fleischereibetriebe
ezelchnet.
VII Konjunkturverhältnisse.
Obwohl im Jahre 1926 der Umsatz im Fleischergewerbe beinahe höher war, wie der Um-
satz des Jahres 1925, war das Jahr 1926 privatwirtschaftlich doch weniger erträglich als das Jahr
1925. Das liegt an zweierlei:
Die Kaufkraft der breiten Masse sank im Jahre 1926 derartig, daß im Verhältnis zu den
Einkaufspreisen nicht mehr so hohe Verkaufspreise erzielt werden konnten.
Die geringe Körnerernte. des Jahres 1926 brachte es mit sich, daß sehr wenig Fettvieh
auf den Markt kam und dementsprechend die Auswertung der gekauften Tiere weniger
ertragreich war.
%
*