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jetzt noch oft die gesamte Rationalisierung genannt wird und
welches Unkundige auch häufig mit Fordismus verwechseln. Daher
soll das Wesentliche des Taylorsystems festgehalten werden. Als
Lehrling in einem Werke war der junge Taylor erstaunt, zu sehen,
wie schlecht die Werkzeuge und die Tätigkeit der Arbeiter ver-
wendet wurden. Deshalb erfand er eine exakte Methode (daher
Jder so oft gebrauchte Name »Scientific management«), alle Behelfe
und Arbeiten im Betriebe genau zu analysieren, und zu untersuchen,
wie sie zweckmäßiger gestaltet, bzw. die einzelnen Arbeiten (alle
Teile der Arbeit) in kürzerer Zeit und mit weniger Anstrengung
verrichtet werden können; er prüfte insbesondere (und das ist vor-
nehmlich von ihm bekannt geworden), ob die einzelnen Bewegungen,
die der Arbeiter vorzunehmen hat, nicht einfacher, rascher, in geringerer
Zahl und mit weniger Mühe auszuführen seien. Er war auch einer
der ersten, der nach der wissenschaftlichen Methode des Professors
Münsterberg die Menschen nach ihrer Eignung (Psychotechnik) aus-
wählte und der für alle Arbeitsverrichtungen besondere Anweisungen,
die von Betriebsfachleuten entworfen waren, ausgab (Pensa). Der
Erfolg dieser Reformen war die Beiseitigung vieler »Verlustquellen«
(wastes) in den Betrieben, weniger Übermüdung und höhere Löhne.
Der bekannte Einwand, daß das Taylorsystem eine zu intensive Arbeit
bewirke, ist nicht unbedingt richtig, wenngleich das System in
dieser Richtung mißbraucht werden kann und auch tatsächlich miß-
braucht wurde, namentlich wenn die Stück- oder Akkordsätze zu
niedrig erstellt waren. Ein anderer Einwand bezieht sich auf die
hohen Kosten des Systems, des Beamtenapparates, der dafür erfor-
derlich. ist, und des Zeitverlustes, der mit den vielen Erhebungen
und Versuchen verbunden ist, so daß es wohl nur in sehr großen
Betrieben durchgeführt werden konnte, obwohl seine Grundge-
danken — rationellere Einteilung und Verrichtung der Arbeit —
auch für kleinere Betriebe Geltung haben (s. unter: Rationalisierung
im Gewerbe).
Die Normung.
Eine zweite, ebenfalls schon länger bekannte Maßregel der in-
dustriellen Rationalisierung ist die Normung, die, wie schon einmal
erwähnt wurde, mit der Standardisierung im Grundgedanken: ein-
fachere Produktion (simplifying) verwandt, aber nicht identisch ist.
Nach einem Vortrage des Ingenieurs Ettl (vom Österr. Normenaus-