Object: Das Hotel- und Gastgewerbe

DIE TECHNISCHE GESTALTUNG DES INSERATS 49 
fesseln. Zuerst wird der Blick durch die nicht schablonenmäßige 
Form der Anzeigen gefangen. Wir haben hier also die „Blick- 
fang‘“-Anzeige vor uns, die in der modernen Reklame eine große 
und wichtige Rolle spielt. Diesen „Blickfang“ sucht man oft 
auch dadurch zu erreichen, daß tiefschwarze Schatten schroff 
neben eine ganz lichte Zeichnung gestellt werden. Wer sich 
über derartige Kontrastwirkungen genauer unterrichten will, 
der studiere den Anzeigenteil solcher belletristischen Zeit- 
schriften, die von den vornehme Reklame machenden Groß- 
inserenten bevorzugt werden. Der Leser findet aber auch in 
meinen Musterbeispielen eine ganze Anzahl von Anzeigen, die 
den „Blickfang“ veranschaulichen. 
Es ist wohl nicht nötig, noch weitere Erläuterungen zu den 
interessanten Kreuznacher Anzeigen zu geben. Ihr Verfasser, 
Hofrat und Kurdirektor a. D. Ludwig Anders, war so liebens- 
würdig, mir Matrizen und Bleiabgüsse der Inserate zur Ver- 
fügung zu stellen. 
Zum Schlusse gebe ich noch einen Wink für die Anzeigen 
von Künstler-Konzerten in Kurorten. Wer jemals mit solchen 
Veranstaltungen zu tun hatte, der weiß, daß die Künstler- 
Konzerte zu den Schmerzenskindern der meisten Kurorte 
gehören. Es ist außerordentlich schwer, das Fremdenpublikum 
für solche Veranstaltungen zu interessieren, selbst wenn 
bekannte Künstler aufs Podium gestellt werden. Schwacher 
Besuch und kräftige Defizite sind deshalb, leider, häufige, aber 
unwillkommene Erscheinungen. Aus diesem Grunde wird es 
gewiß vielen Kurdirektoren und Hoteliers willkommen sein, 
wenn ich ihnen an weiteren Kreuznacher Beispielen zeige, 
daß sich auch in die typische Konzertanzeige eine aparte und 
wirkungsvolle Note bringen läßt. Die wiedergegebenen Anzeigen 
eines Konzertes von Gertrude Weinschenk zeigen es. Sie bleiben 
in dem hierfür bedingten vornehmen Rahmen, treten durch die 
wechselnde Textfassung aber doch aus dem Rahmen der 
üblichen Alltagsschablone heraus und könnten sehr wohl dazu 
beitragen, eine größere Zahl der Leser so gut zu fesseln, daß sie 
das Konzert besuchen. Die Anzeigen würden damit eine wich- 
tige Reklameforderung erfüllt haben: Dem Beschauer das zu 
suggerieren, was man von ihm wünscht! Hoffentlich habe auch 
ich dem Leser mit Überzeugungskraft suggeriert, wie wichtig 
und. notwendig es bei der Reklame ist, daß sie sich an die 
Psyche des Publikums wendet.
	        
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