Full text : Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

Nicht. nur ökonomische Gründe und Gründe der Währungs- und
Finanzpolitik haben zur Schaffung des Bündnisses zwischen Finanzund
 Agrarkapital beigetragen, Ein wesentlicher Faktor der zur
raschen Verständigung der kapitalistischen Gruppen beigetragen
hat, war das gemeinsame Interesse aller Bourgeoisschichten an der
verschärften Ausbeutung und Unterdrückung des Proletariats, am
Kampfe gegen den „Marxismus”, Die Schwerindustriellen
haben nicht nur ein Interesse an der „Kaufkraft des Bauern‘ für
ihre Ware, sondern auch an der Gewinnung der mit den Junkern
versippten alten wilhelminischen Bürokratie und Generalität, deren
Hilfe sie um so weniger entbehren wollen, je kräftiger der neudeutsche
 Imperialismus sich entwickelt und ihre Appetite reizt,
Auch können die Industriekapitalisten ihre Ratioönalisierungspläne
gegen den Widerstand des Proletariats nur durchführen, wenn alle
Kräfte der Bourgoisie einheitlich zusammengefaßt
 werden. Sie sind deshalb immer wieder bereit, den
Junkern, die es ausgezeichnet verstehen, die breiten Bauernmassen
 als Vorspann zu benutzen (Bauernnotkampagne im Winter
1925/26, Demonstrationen Januar/Februar 1928), über ihr spezifisches
 Gewicht im ‚deutschen Gesamtkapitalismus hinaus größere
Konzessionen zu machen und das Tempo und Risiko der Umstellung
 der landwirtschaftlichen Betriebe für die Agrarkapitalisten
zu verringern.
Zu ‚den innenpolitischen Gründen kommen die außenpolitischen,
Der Aufbau des neudeutschen Imperialismus, der Kampf um die Revision
 des Dawesplanes, die Beseitigung der „Kriegsschuldlüge”, die
Wiedergewinnung von Kolonien, die Umwandlung der Reichswehr
in eine kriegstüchtige Truppe — 'alle diese Betrebungen erfordern
eine Zusammenfassung aller bürgerlichen Kräfte und nicht zuletzt

Da Leonid diese entscheidenden Tatsachen im Hintergrund des Wirtschaftsprozesses
 übersieht, kommt er natürlich auch zu einer vollkommen
falschen Analyse der oben sichtbaren Gegensätze und spricht von einer
„Stickstoffoffensive des Chemie- und Montantrusts‘” gegen die „Landwirtschaft”
 ‚und von einem Abschwenken des Kalikapitals aus dem Lager des
Agrarkapitals in die industrielle Kampffront, Auch hier begeht Leonid den
Fehler, vorübergehende Differenzen und Druckmittel als bleibende und
grundlegende zu behandeln, ganz mechanisch und abstrakt Industriekapital
gegen Agrarkapital zu setzen, ohne den neuen Prozeß der Absorbierung
beider durch das Finanzkapital zu erkennen,
Nicht in der Auslösung grimmiger Machtkämpfe innerhalb des bourgeoisen
 Lagers zeigt sich heute die Schwäche des deutschen Proletariats,
sondern umgekehrt in der fast reibungslosen Ruhe und Stetigkeit des Verschmelzungs-
 und Vereinheitlichungsprozesses der verschiedenen großkapitalitischen
 Gruppen unter Führung des Finanzkapitals. Die innerkapitalistischen
 Störungen sind während der letzten 4 Jahre in Deutschland
geringer, nicht größer, geworden, Gerade weil das deutsche Proletariat zurzeit
 kampfunfähig ist, können die führenden Kapitalsfruppen sich gegenseitig
 Konzessionen machen, kann z. B, die Schwerindustrie den Großagrariern
 Zölle bewilligen, ohne die Lohnforderungen der Proletarier befürchten
 zu müssen, Je energischer das Proletariat seine Klassenforderungen
 der Bourgeoisie gegenüber vertritt, desto schwerer fällt dieser die
Stabilisierung und Konsolidierung ihrer eigenen Kräfte,
            
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