1752
VIT. Ab{Onitt: Einzelne Souldverhältnifje,
Neunter Titel.
Auslobung.“)
(Erläutert von Dr, Karl Kober.)
Vorbemerkung.
1, Allgemeines.
Ein Recht8gefchäft, das im Wege einer einfeitigen Erklärung ein voNgliltiges
Kecht8verhältni8 begründen kann, ift die fog. NusSlobung. Hier wird mit dem einfeitigen
Alte des bloßen Ausjegens8 ‚eine VerpfliHtung erzeugt, wie fie regelmäßig fonft nur im
Wege eines VBertragS (. 8 305 mit Bem.) erzeugt werden kann; e3 entfteht daz Schuldver-
Jältni8, ohne daß das Angebot angenommen wurde. Für diefeS Verfprechen gelten im allge
meinen Ddiejelben Rechtanormen wie für den zweifeitigen Vertrag. (Val. M. II, 519
und II, 176,
Schon im früheren Rechte fand fihH diefes Rechtsinftitut; in der Theorie und Praxis
de3 gemeinen Rechte, in der PraziZ des franzöfijhen NechteS (der code civil felbit enthielt
‘eine ausdrüclige Beftimmung), im BLR. TL IV cap. 1 82, im PLN. ZI 1 Tit. 11 8 988
im fächf. GB. 8 771. In Einzelheiten heftanden aber viele Streitpunkte. S. außer der bei
Windfheid-Lipp S 308 aufgeführten umfajjenden Literatur aud noch v. Boelderndorff In
Bl. f. RA. Bd. 25 S. 177 und die eingehenden Ausführungen bei Eliter a. a. D. S. 125 ff.
iomie vd. Mayr a. a. D. S. 100 ff.
Die „ANuslobung“ ift zwar unter diefem Namen nicht überall redhtlidh bekannt;
nach ihrem Wefen Hat fie aber ein ziemlich breites Anwendungsgebiet (j. unten Bent. 3).
Das BGB. behandelt die Uuzkobung nur mit wenigen Paragraphen (88 657—661). Darin
ind neben dem grundlegenden S$ 657 nur einige ganz befonder3 regelungsSbedürftige Punkte
zeordnet. Andere Fragen find aus anderen Teilen de3 GefeghbuchS, insbejondere den allge-
meinen Borfdhriften über die ShHuldverhHältnifje, zu beantworten.
2, Charakteriftit des Nechtsverhältniffes. WaZ daz BOG, unter Auslobung verfteht,
ergibt {id aus 8 657. (S. die dortigen Bem.) Bei Aufjtelung Jeiner einfdlägigen Beftimmungen
itand der Gejeggeber einer doppelten Theorie gegenüber, der fog. Bertrag3= und der
79g. Pollizitationstheorie,. Deren Grundunterfchiede find in M. II, 518 ff. dar
geftellt mit folgenden Sägen:
„Die Bertrag3theorie erblidt in der Auslobung einen VBertragZäntrag iu incertam
personam, welcher dur einen AUkt der Annahme feitenz einer beftimmten Perfon zu
zänem Vertrage mit diejer führe, aus weldem dann die Verbindlichkeit der AuZlobenden zur
Erfüllung des in dem Untrag enthaltenen VBerfprechen8 ent{pringe ufw.“
„Nach der PolklizitationStheorie KHegt der Grund der Verpflightung des Au8-
(obenden dagegen einzig und allein in der verbindlihHen Kraft eine einfeitigen
öffentlichen Berfpreden3; der Auslobende ift fhon auf Grund diejeS Berfprechens
zu deffen Erfüllung an denjenigen verbflichtet, welder die von dem AuZlobenden beftimmte
* Literatur: Eifjter im Arch. f. bürgerl. NR. Bd. 18 S. 124 ff.: Die Lehre von
der Auslobung nach gem. N. und BGB.; Karl Schleier, Die Lehre von der Auslobung
nad Heidhsrecht, Difjert. Erlangen 1900; Iulius Fijcher, Die Auslobung nad BGB.,
Difi., Göttingen 1899; Hein8heimer, Zum Begriff „Auslobung“ in D. IJur.3. 1904
S, 623—625; Kohler, Auslobung und Wette (Zwölf Studien zum BGB., VIIL Studie),
Yrch. f. bürgerl. RR. Bd. 25 S, 1 ffi.; Fran de, Wette, SchenkungSverfprechen, Werknertrag
und Auslobung, GHirths Annalen, 37. Jahrg. S. 553 ff.; Brücmann, Preisrichterirrtum,
D. Iur.3. 1905 S. 856 ff.; Robert v, Mayr, Die UNusSlobung, Wien 19U5 (jehr eingehend);
Dertmann, Eine neue Theorie der Auslobung, Sfterr. Bentral-Bl. Bd. 24 S, 785 ff. und
Entfhäbdigung für Projektarbeiten, D. Jur.3. 1908 S, 455; KuhHlenbed, Die Auslobung.
Sur. Wichr. 1908 S, 645 (Rechtiprehunag des MeichZaericht2).