Full text: Deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik

Möglichkeit beschleunigt werden. 
Notwendig ist zunnächst eine Er: 
mäßigung der Rohstofftarife, und 
auch diese in erster Linie für die 
kleineren Entfernungen, weil eine 
derartige Ermäßigung in den Preisen 
aller Halb- und Fertigfabrikate un; 
mittelbar sich auswirkt. Der Fertig: 
industrie wird in erster Linie, soweit 
es nicht durch eine Tarifreform 
überhaupt geschehen kann, mit De - 
tarifierungen zu helfen sein. 
Bei den Rohstofftarifen ist die Sen: 
kung des Tarifs für Kohle von allen 
Seiten als dringend notwendig ers 
kannt, ist doch die Fracht bei einer 
Intfernung von 50 km immer noch 
ım 44 Proz. höher als sie in Friedens: 
zeiten war. Wenn man berücksichtigt, 
wie sehr auch die in der Nähe der 
Sohlenförderung liegenden Indu- 
strien durch die Kohlenfrachten bez 
ührt werden, erkennt man die 
Wichtigkeit der allgemeinen Sen: 
<ung dieser Frachten. 
Obwohl schon 60 % aller Güter zu 
Ausnahmetarifen gefahren werden, 
so ist doch auf dem Wege, die Eisen: 
bahntarife der wirtschaftlichen Lage 
durch Ausnahmetarife anzupassen, 
fortzufahren, bis eine allgemeine 
Tarifreform beendigt ist. Die starke 
Anwendung von Ausnahmetarifen 
nacht aber eine dauernde Kontrolle 
erforderlich, ob die Ausnahmetarife 
nicht die natürlichen Wettbewerbs: 
verhältnisse erschweren. 
Die Erkenntnis der Notwendig: 
zeit, den Export durch entsprechen: 
Je Tariferleichterungen zu fördern, 
ist heute beinahe in allen Ländern 
'n die Tat umgesetzt. So hat in den 
Vereinigten Staaten von Amerika, 
'n denen doch von jeher das Ver: 
kehrswesen als ein privatwirtschaft: 
iches Geschäft aufgefaßt wurde, die 
‚Interstate Commerce Commission“ 
lie Möglichkeit, in die Tarifhoheit 
zinzugreifen, um auch für einzelne 
Industrien bessere Wettbewerbs: 
möglichkeiten zu schaffen. 
Nicht anders ist es in England, 
wo das als Behörde aufgezogene 
F’arifamt „Rate Tribunal“ praktisch 
»äne staatliche Tarifhoheit ausübt, 
Die Bemühungen, die Italien macht, 
m die in Frage kommenden Staaten 
is zu Polen und der Tschechoslowa- 
ei hin für seinen Triester Hafen 
zu gewinnen, sind bekannt. 
Gefesselt durch die Lasten, die im 
)awesgutachten der Reichsbahn 
uferlegt worden sind, ist, wie. zu: 
egeben werden muß, diese nicht in 
‚er Lage, den deutschen exportieren- 
{en Industrien in demselben Aus: 
naße zu helfen, wie es in den ger 
‚annten Ländern geschieht; und 
loch wäre gerade Deutschland 
{urch die überwiegende Binnenlage 
ter Industrie am ehesten gezwungen, 
‘urch zweckmäßig — ausgestaltete 
"arife helfend einzugreifen. Man 
»raucht sich nur einmal klar zu 
nachen, daß in England kein Ort 
nehr als 67km von der Küste ent: 
eernt liegt, um zu erkennen, wie be» 
ıachteiligt die deutsche Industrie 
'urch die besonders hohen Vor: 
rachten infolge der weiten Ent: 
ernung zur Küste ist. Trotz der 
ahlreichen Seehäfenausnahmetarife 
st die Behauptung falsch, daß die 
)eutsche Reichsbahn eine einseitige 
"arifpolitik zugunsten der Seehäfen 
reibe, denn die meisten bewilligten 
ieringen Abschläge von den nor: 
nalen Tarifen bieten nur selten 
inen Anreiz zur Benutzung der See- 
ıäfen, wenn die frachtliche Lage es 
‚icht sowieso erfordert. Vollkom: 
nen illusorisch wird aber die Ger 
vährung eines Ausnahmetarifs wie 
'es von Steinkohle an die deutsche 
ieeküste, der nicht als Ausfuhrtarif 
edacht ist, wenn eine fremde In: 
lustrie, nämlich die englische 
(ohlenindustrie, mittels eines wah: 
‚en Dumpings, nämlich durch Staats: 
suschüsse, in die Lage versetzt wird, 
jeden Preis zu unterbieten. Um so 
wichtiger ist die Einführung von 
Tal
	        
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