Posttarife.
Berechtigung
and Grenzen.
Ausnahmetarifen auch über die
'rockene Grenze, um die seit mehr
ıls Jahresfrist die beteiligten In:
Justrien kämpfen.
Der Tarif für Briefe, ähnliche Sen:
jungen und für Pakete dürfte
caum zu beanstanden sein.
Ganz besonders übersteigert aber
sind die Tekefongebühren.
Es ist ein alter immer wiederkehren-
der Wunsch, die deutsche Reichs-
post möge bei der Bemessung der
Gebühren von der Berechnung des
Einzelgesprächs, für das der Satz im
Durchschnitt etwa das Zweieinhalb-
lache des Friedenssatzes beträgt,
wieder zu dem früher so beliebten
Pauschalsystem übergehen. Nach
dem gegenwärtigen System sind Be»
triebe mit großer Benutzung der
Telefonanlagen außerordentlich
stark belastet. Während bei 200 Ges
sprächen im Monat die Gebühr um
94 Prozent erhöht ist, liegt schon bei
1200 Gesprächen im Monat eine Er:
ı1öhung um 783 Prozent gegenüber
lem Friedenssatz vor.
Es ist daher kein Wunder, daß
ler Titel Telefon in dem Etat der
Deutschen Reichspost große Übers»
schüsse abzuwerfen imstande ist,
die zur Deckung der Fehlbeträge
des Telegrammverkehrs dienen kön:
aen. Mit den modernsten Einrich:
‘ungen ausgestattet, wird der Tele:
jiraphenbetrieb nicht im entfern»
'esten voll ausgenutzt, zum großen
Teil wegen der falschen Bemessung
der Gebühren. Die Verwaltung
laubt anscheinend, durch Hoch:
jaltung der Telefongebühren er»
eichen zu können, daß das Tele»
iramm mit dem Telefon konkurrie-
en kann. Für die kurze Nachrich»
enübermittlung hat das Telefon
vohl endgültig den Telegraphen
erdrängt. Durch entsprechende
sebührengestaltung könnte es aber
ait Leichtigkeit erreicht werden,
iaß ohne Schmälerungen der Eins
‚ahmen aus dem Briefverkehr ein
roßer Teil der Korrespondenz
‚urch Anwendung eines billigen
jatzes für den Brieftelegramm- Vers
‚ehr von dem Telegraphen über:
‚ommen wird. Damit könnten die
zilweise brachliegenden Anlagen
vieder zur vollen Ausnutzung ge»
angen und der Wirtschaft ein wert:
'olles Mittel zur Nachrichtenüber»
nittlung neu zur Verfügung gestellt
verden.
Aus der jetzt vorgelegten Denk-
chrift der Reichspostverwaltung er»
#ibt sich, daß sie im Jahre 1924/25,
)bwohl sie aus laufenden Mitteln
viele Neuanlagen hergestellt hat, er:
ıebliche Überschüsse erzielt hat.
Daraus geht klar hervor, daß sie
‚uch mit geringeren Tarifen hätte
‚uskommen können.
IN. Die sozialen Abgaben.
Die deutsche Industrie ver:
tritt die Auffassung, daß die Aus-
jaben für soziale Zwecke als ein
aotwendiger Bestandteil der Ge:
zamtaufwendungen für die Allge:
meinheit zu betrachten sind. Sie
wertet demgemäß diese Leistung als
positiven Bestandteil der Sstaats-
politisch zu tragenden Gesamt:
'asten.
Wenn aber die Sozialpolitik nach
ınserer Auffassung als ein not:
vendiger Bestandteil unserer Wirt:
schaftsordnung und -führung. anzu:
‚sehen ist, dann sollte sie nicht um
hrer selbst willen und nicht ohne
Zusammenhang mit der wirklichen
‚age und Entwicklung unserer wirt-
schaftlichen Leistungsfähigkeit ger
‚trieben werden.
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