Erster Abschnitt
stets im selben Wertverhältnis zueinander. Fiele der Goldwert um
1000 pZt., so würden nach wie vor 12 Unzen Gold zwölfmal mehr
Wert besitzen als 1 Unze Gold, und in den Preisen handelt es
sich nur um das Verhältnis verschiedener Goldquanta zueinander.
Da anderseits 1 Unze Gold mit dem Fallen oder Steigen ihres
Wertes keineswegs ihr Gewicht verändert, verändert sich ebenso-
wenig das ihrer aliquoten Teile, und so tut das Gold als fixer Maß-
stab der Preise stets denselben Dienst, wie immer sein Wert wechsle.
Der Wertwechsel des Goldes verhindert auch nicht seine Funk-
tion als Wertmaß. Er trifit alle Waren gleichzeitig, läßt also, unter
sonst gleichen Verhältnissen, ihre wechselseitigen relativen Werte
unverändert, obgleich sie sich nun alle in höheren oder niedrigeren
Goldpreisen als zuvor ausdrücken.
Wie bei der Darstellung des Wertes einer Ware im Gebrauchs-
wert irgendeiner andern Ware, ist auch bei der Schätzung der
Waren in Gold nur vorausgesetzt, daß zur gegebenen Zeit die Pro-
duktion eines bestimmten Goldquantums ein gegebenes Quantum
Arbeit kostet. In bezug auf die Bewegung der Warenpreise über-
haupt gelten die früher entwickelten Gesetze des einfachen relativen
Wertausdruckes.
Die Warenpreise können nur allgemein steigen, bei gleich
bleibendem Geldwert, wenn die Warenwerte steigen; bei gleich
bleibenden Warenwerten, wenn der Geldwert fällt. Umgekehrt
Die Warenpreise können nur allgemein fallen bei gleichbleibendem
Geldwert, wenn die Warenwerte fallen; bei gleichbleibenden Waren-
werten, wenn der Geldwert steigt. Es folgt daher keineswegs, daß
steigender Geldwert proportionelles Sinken der Warenpreise und
fallender Geldwert proportionelles Steigen der Warenpreise be-
dingt. Dieses gilt nur für Waren von unverändertem Wert. Solche
Waren zum Beispiel, deren Wert gleichmäßig und gleichzeitig steigl
mit dem Geldwert, behalten dieselben Preise. Steigt ihr Werl
langsamer oder rascher als der Geldwert, so wird der Fall oder da®
Steigen ihrer Preise bestimmt durch die Differenz zwischen ihrer
Wertbewegung und der des Geldes usw.
Kehren wir nun zur Betrachtung der Preisform zurück.
Wir haben gesehen, daß die herkömmlichen Namen des Gewichts
maßstabes und seiner Unterabteilungen auch die ursprüngliche?
Namen des Geldmaßstabes bilden. Nach und nach trennen sich die
Geldnamen der Metallgewichte von ihren ursprünglichen Gewichts
namen aus verschiedenen Gründen, darunter historisch ent
scheidend: 1. Einführung fremden Geldes bei minder entwickelten
Völkern, wie zum Beispiel im alten Rom Silber- und Goldmünzel
zuerst als ausländische Waren zirkulierten. Die Namen diese‘
55a „Das Geld kann fortwährend in seinem Werte schwanken und dennoch
als Maßstab des Wertes ebensogut dienen, wie wenn es vollkomme?
unverändert bliebe.“ (Bailey: „Money and its Vicissitudes. London 1887”)
p. 11.)