Full text : Deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik

Selbstverständlich werden die
Form und das Ausmaß sehr sorgfältig
 zu überlegen sein, und selbst:
verständlich müssen schon im Hins
blick auf die Schäden aus der Ver:
gangenheit Substanzverluste, soweit
als möglich, vermieden werden.
Man kann auch die Einschränzungen
 nicht nach einem einfachen,
Jurch irgendeinen Prozentsatz aus:
zjedrückten Zahlenverhältnis vor:
aehmen, sondern erst nach sehr ein:
jehender Prüfung und unter Berücksichtigung
 der _Rückwirkungen.
Diese werden sich bedauerlicherweise
 insbesondere dadurch zeigen,
daß viele heute noch beschäftigte
Arbeiter und Angestellte brotlos
werden, was vom Ssozialpolitischen
Standpunkt bedauert werden muß.
Das wirft die schwierige Frage auf:
Was geschieht mit den Arbeitern
and Angestellten, die durch den
notwendigen Einschränkungsprozeß
brotlos werden? Wir kommen
selbstverständlich vorübergehend
an einer starken Vermehrung der
Arbeitslosigkeit nicht vorbei. Je
schneller man den Mut findet, die
Einschränkungsmaßnahmen durch»
zuführen, um so eher wird die
Wirtschaft gesunden, und um so
eher werden wieder Arbeitskräfte
gebraucht.
Deshalb müssen rechtzeitig Maßs
nahmen getroffen werden, um die
durch Arbeitslosigkeit entstehende
Not zu lindern. Diese können nach
unserer Auffassung nicht in einer
allgemeinen Arbeitslosenversicherung
 bestehen. Ein Versicherungs:
schutz kann nicht ad hoc und nicht
auf der Grundlage abnormer Ver:
hältnisse aufgebaut werden. Hier

ılft eine staatliche Arbeitslosens
ınterstützung mit möglichst wenig
Verwaltungsaufwand wirksamer als
sine Versicherung,
Es muß ferner schon von Anfang
‘ür eine wirtschaftliche Verteilung
ler Arbeitskräfte gesorgt werden.
3ei der Betrachtung der Arbeitss
osenziffern nach ihrer geographis
ichen Verteilung kann man wenig-;tens
 jetzt noch die Wahrnehmung
nachen, daß die Arbeitslosigkeit in
len einzelnen Teilen des Reichs
jehr: verschieden ist und daß noch
ın manchen Plätzen Mangel an Ar:
‚eitern, insbesondere an Fachırbeitern,
 besteht,
Die bisherigen Erfahrungen mit der
‚»roduktiven Erwerbslosenfürsorge
;rmutigen nicht dazu, das System
»eizubehalten. Es kann nicht schwer
jein, die in dem gegenwärtigen
jystem bestehenden Mängel wirk-;‚am
 zu beseitigen, und für die Zu:
zunft brauchbare Grundsätze aufzu-;tellen.
 Gegenwärtig ist insbeson:
lere unter den Angestellten die Arjeitslosigkeit
 sehr groß. Das liegt
ıicht zuletzt daran, daß in der In:
lationszeit die Neigung bestand,
statt ein Handwerk zu erlernen, An:
stellung im Bankfach, in der Verwal:
ung oder im Bürodienst gewerbicher
 oder industrieller Unterıehmungen
 zu suchen. Dadurch ist
ler Facharbeiternachwuchs gerade
ıus solchen Kreisen eingeschränkt,
lie wegen einer besseren Vorbillung
 zum Qualitätsarbeiter ganz be»
sonders geeignet sind. Hier Wandel
zu schaffen, ist eine besondere Aufz3abe
 der Maßnahmen zur Heran-»ildung
 eines guten und brauch:
ıaren Facharbeiternachwuchses.

IN. Kartelle.

Wir haben unsere Stellung zu den
Kartellen und zu dem Kartellpros
blem überhaupt eingehend nieders
gelegt, um der Öffentlichkeit gerade

jetzt, wo sie sich mehr als früher
mit der Kartellfrage beschäftigt,
keinen Zweifel über unsere Auffaszung
 zu lassen. Die Kartellkritik

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