Full text: Grundlagen der Wirtschafts- und Handelspolitik

polizeilichen und sonstigen Vorschriften 
nicht. beobachten. 
Meine Herren, die amtliche Unter: 
suchung des Unglücksfalles, die noch nicht 
ganz abgeschlossen ist, hat zweifelsfrei er» 
geben, daß weder ein Verschulden der Ar- 
beitgeber noch der Arbeitnehmer vorliegt 
und daß auf der Zeche Minister Stein alles 
in tadelloser Ordnung war. In den Par- 
lamenten, im deutschen Reichstage und 
preußischen Landtage ist die Angelegenheit 
singehend behandelt worden. Man hat aber 
meiner Überzeugung nach versäumt, auf 
:inen Punkt besonders hinzuweisen. 
Das Unglück ist am 11. Februar passiert. 
Bei der Berufsgenossenschaft kam am 
14. Februar ein Schreiben des Herrn Reichs: 
ırbeitsministers an, der empfahl, mit tun: 
lichster Beschleunigung die Renten: und 
Sterbegelderfrage zu regeln. Wir konnten 
lidem Herrn Minister am 14. abends mit- 
teilen, daß in dem Augenblick, in dem er 
sein Schreiben abgesandt hatte, bereits die 
Sterbegelder ausgezahlt und die Renten für 
Februar angewiesen waren. Das Organ der 
Knappschaftsberufsgenossenschaft, die Sek- 
tion II der Knappschaft in Bochum, und der 
Zeichsknappschaftsverein haben vorbildlich 
gearbeitet. Am 11. abends ereignete sich der 
traurige Unglücksfall, am 12. wurden die 
ı1otwendigen Feststellungen gemacht, am 13. 
die Sterbegelder und am 14. die Renten 
ausgezahlt. 
Meine Herren, die Industrie ist den 
Organen der Berufsgenossenschaft und der 
Knappschaft dafür aufrichtigen Dank 
schuldig, daß sie so ausgezeichnet gearbeitet 
haben. Und an der Genugtuung über dieses 
vorbildliche Funktionieren der Organe der 
sozialen Gesetzgebung hat auch ein nach: 
träglich eingegangenes Anerkennungs- 
schreiben des Herrn Reichsarbeitsministers, 
gezeichnet Geib. nicht viel geändert (Beifall). 
Vorsitzender Herr Geheimrat Dr. Duisberg: 
Wir treten nunmehr in die Tagesord- 
nung ein, die aber eine kleine Veränderung 
dadurch erfährt, daß bei Punkt 4: „Gegen- 
wärtiger Stand der Handelsvertragsverhand- 
lungen“, Herr Staatssekretär von Simson 
Herrn Müller-Oerlinghausen, der in Paris 
weilt, hier vertreten wird. Bei Punkt 6: 
‚Grundsätzliche Fragen der Steuerreform“ 
ist Herr Dr. Haußmann verhindert, da er 
verreist ist. An seiner Stelle wird Herr 
Regierungsrat Dr. Herrmann das Referat 
ibernehmen. Im übrigen liegt das Referat 
7on Herrn Haußmann gedruckt vor. 
Ich bitte dann alle Herren, über diese” 
Verhandlungen, über die ein Pressebericht 
veröffentlicht wird, unmittelbare Benach- 
ichtigungen an die Presse nicht ergehen 
zu lassen, da eine Reihe von vertraulichen 
Mitteilungen gemacht werden soll. 
Herr Dr. Herle: 
Meine Herren, es sind zunächst die Er: 
‚atzwahlen für diejenigen Mitglieder des Vor- 
;tandes vorzunehmen, die aus dem Vor: 
;tande im letzten Jahre ausgeschieden sind. 
Nach dem $ 16 unserer Satzung beträgt 
lie Zahl der Vorstandsmitglieder 90. Von 
liesen 90 Sitzen sind zurzeit 7 unbesetzt. 
Wir haben also 7 Ersatzwahlen vorzu:- 
ıehmen. 
Das Präsidium und der Vorstand emp- 
ehlen Ihnen auf Vorschlag des Wahlaus- 
‚chusses die folgenden Herren: 
Direktor Bruhn für Dr. Sorge, Kom: 
nerzienrat Busch für Geheimrat Schrey, 
'abrikbesitzer Kind für Fabrikbesitzer 
irusius, Generaldirektor Köngeter für 
keichsminister a. D, Becker Exz., Direktor 
ketzmann für Kommerzienrat Clauß, 
Generaldirektor Bergrat Winkhaus für 
Iugo Stinnes, Geh. Oberregierungsrat Gene- 
aldirektor Lueck für Kommerzienrat 
\shoff, 
Vorsitzender Herr Geheimrat Dr. Duisberg: 
Ich frage die Herren, ob sie damit eins 
verstanden sind, — Es erhebt sich kein 
Widerspruch. Dann ist diese Wahl ge: 
ıchmigt. 
Herr Dr. Herle: ; 
Nach 8 16 unserer Satzung beträgt die 
Amtsdauer der Vorstandsmitglieder 3 Jahre. 
'n den ersten zwei Jahren soll je ein durch 
las Los bestimmtes Drittel ausscheiden, wo- 
,ei Wiederwahl ausdrücklich als zulässig er: 
:Järt ist, und von da ab jährlich ein Drittel. 
Yun haben wir auf Beschluß des Vorstandes 
‚om 14. Dezember 1921 diesen Turnus ruhen 
assen, und zwar mit Rücksicht darauf, daß 
ter Hauptausschuß mit dem Vorstande 
einerzeit der Auffassung war, daß nament- 
ich. wegen der schwebenden Fragen, die mit 
lem Reparationsproblem zusammenhängen, 
»ne Kontinuität aufrechterhalten werden 
jolle innerhalb des Präsidiums sowohl wie 
nnerhalb des Vorstandes. Präsidium und 
Vorstand sind aber nunmehr der Auffassung,
	        
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