zeiner Position der Entwicklung der Chemie,
jes Maschinenbaus angepaßt hat. Das war
der Grund, warum im vorigen Jahre, als die
Regierung sich darüber klar sein mußte, daß
Einfuhrverbote auf die Dauer in Deutschland
nicht aufrechterhalten werden können — sie
hat den Verzicht auf die Einfuhrverbote ja
dann, wie sie wissen, ausdrücklich in dem
deutsch-englischen Handelsvertrag nieder:
gelegt, der uns verpflichtet, spätestens 6
Monate, vom Tage der Ratifizierung ab ge-
rechnet, auch das letzte Einfuhrverbot zu be-
seitigen und damit einen Zustand zu schaffen,
der, falls der alte Zolltarif von 1902 bleibt,
sehr große Teile der deutschen Wirtschaft
schutzlos gegenüber dem Andrängen der aus:
ländischen Einfuhr machen wird. Dazu ein
paar Bemerkungen!
Meine sehr geehrten Herren, vor dem
Kriege bestand der Welthandel zu zwei
Dritteln aus europäischem Handel. Von den
Ländern, die in Europa Handel trieben, hatte
nur ein Land, nämlich England, drei Fünftel
seines Absatzes an Fertigprodukten und an
Waren seines Handelsverkehrs nach übersee:
ischen Ländern. Die wichtigsten Faktoren
des europäischen Handels, Deutschland und
Frankreich, hatten ihre Hauptaufgabe in der
Versorgung des europäischen Marktes. Das
wird heute vielfach vollkommen vergessen.
Und, meine sehr geehrten Herren, wie sieht
denn dieser europäische Markt heute aus?
Vor etwa 100 Jahren hat Schleiermacher
einmal, als von Deutschland die Rede war, ge:
sagt: Deutschland — ein Land? Ist denn
Scharpie ein Gewebe? Meine sehr geehrten
Herren, wenn ich heute von einer europä-
ischen Wirtschaft, von europäischen Handels-
beziehungen und Wirtschaftsbeziehungen
spreche und sie zur Grundlage der Schaffung
von Zolltarifen oder Handelsverträgen
nehme, so muß ich dieses Bild von Schleier-
macher wiederholen. Die europäische Wirt:
schaft vor dem Kriege war ein Gewebe.
Meute ist sie zerrupft zu einzelnen wirren
Fäden, sie ist Scharpie geworden.
Meine Herren, sie haben die europäische
Wirtschaft durch den Versailler Vertrag und
durch alles, was nachfolgte, in eine große
Anzahl von Wirtschaftsgebieten zerschlagen,
von denen gerade die jüngsten von einem
wirtschaftlichen Größenwahn befallen sind,
von denen gerade die jüngsten danach stre-
ben, beinahe autarkisch sich eine Wirtschaft
zu schaffen — ich habe es an anderer Stelle
oft betont — vielfach aus Rüstungsinteressen
und mit den Mitteln, die ihnen vn dem
zroßen Bundesgenossen an der Seine zur
Verfügung gestellt worden sind. Sie haben
zine Wirtschaft geschaffen, der die Unter:
lagen jeglicher Wirtschaft fehlen; Meine
Jerren, das “sind” ja nicht die Rohstoffe
»ei der heutigen Ausbildung der Technik
der der heutigen Ausbildung des Ver:
cehrs, sondern das sind die Absatzmög::
ichkeiten. Sie sehen €8 ja an der Entwicklung:
ler “deutschen Wirtschaft. Es fehlt ihnen
weder an Rohstoffen, es fehlt ihnen weder an
Irzeugungsmöglichkeiten, es fehlt nur an
lenen, die ihnen genügende Mengen von
Waren abnehmen.
Und so nehmen Sie ein Beispiel, z. B. die
Tschechoslowakei, die nahezu die gesamten
Produktionsstätten der alten österreichzun-
zarischen Monarchie in ihren Grenzen ver:
»inigt und nicht für die Hälfte, auf manchen
Gebieten nicht für ein Drittel der Fabrikate
nnerhalb ihrer eigenen Grenzen einen Absatz
inden kann. Das, meine Herren, muß not:
wendig dazu führen, daß diese Länder den
Versuch machen, sich durch hohe Zollmauern
jegen die übrigen Länder abzuschließen und
hrerseits durch Dumping in die übrigen Teile
ler Welt einzudringen. Und dazu eine Be-
merkung, meine Herren!
Es ist ein furchtbarer Gedanke, daß wir
ıns heute sagen müssen, daß ein ungeheurer
Prozentsatz der Produktion der Welt, der ge:
;amten Welt heute durch Dumping Absatz
inden muß. Es ist einerlei, ob Sie an die eng-
ische Produktion denken. Dazu wieder eine
Ziffer! Es wird hier immer. soviel von dem
arschreckenden Rückgang der deutschen Aus-
"uhr gesprochen. Warum nimmt sich niemand.
lie Mühe, den erschreckenden Rückgang der
Ausfuhr der übrigen Staaten zu beobachten?
Jie englische Ausfuhr ist in ihrer Gesamtheit
ıuf 70% und in weiten Kreisen der wichtigen
anglischen Textilindustrie auf 65 und 60% der
Vorkriegsausfuhr zurückgegangen, mengen:-
näßig, nicht zahlenmäßig. Also auch die
ınderen Länder leiden unter den Ver:
schiebungen und — meine Herren, das müssen
wir uns von vornherein sagen — Verschiebun:
zen, die zum Teil nie wieder ausgeglichen wer-
len können, Verschiebungen, die hervorge-
‘ufen sind durch die geradezu gigantische
ZIntwicklung der amerikanischen Industrie,
lie, was sie einmal gepackt hat, nicht wieder!
‚oslassen wird und es ja auch nicht nötig hat,
a8 loszulassen.
Meine Herren, mir hat vor kurzem ein
führender Industrieller aus der Aluminium-
ndustrie als, Beispiel dieser Erscheinung