staunlichen Resultaten in der Gesamtheit
kommen.
Mit ruhigem Gemüt stehe ich den Zahlen
zegenüber, die uns heute vielfach tendenziös
vorgeführt werden. Unsere Handelsbilanz ist
passiv. Sie ist es immer gewesen. Kein euro-
päisches Land hat jemals eine aktive Handels:
bilanz vor dem Kriege gehabt, wenn man sie
in_ihrer Gesamtheit betrachtet. Die ganze
suropäische Handelsbilanz war immer mit
etwa 10% passiv; und, meine Herren, diese
10% bedeuten eine Passivität in Höhe von
10 Milliarden Goldmark im Jahre. Ich be:
zweifle, meine Herren, daß die Passivität der
suropäischen Handelsbilanz heute größer ist
als in der Vorkriegszeit. (Lebhafter Beifall.)
Vorsitzender Herr Geheimrat Dr. Duisberg:
Ich danke Herrn Kraemer ebenfalls für
seine Ausführungen, möchte aber doch bitten,
daß wir seinen Worten nicht allzu sehr glau:
ben bezüglich der Handelsbilanz. (Sehr rich»
tig!) Gestern abend beim parlamentarischen
Abend ist besonders von seiten eines Ver-
treters des Parlaments und eines Kenners der
wirtschaftlichen Verhältnisse des Westens
gesagt worden: Selbst wenn sie mit 50% falsch
wäre — das wird sie wahrscheinlich nicht sein,
denn positiv und negativ gleichen sich ja doch
aus (Zuruf: Nein!); wenn die Einfuhr falsch
ist, ist auch die Ausfuhr falsch (Zuruf: Nein!)
— aber wenn sie mit 50% falsch wäre, wäre es
schlimm genug mit uns, und wir müßten uns
sehr überlegen, was wir zu tun haben, um die
Dinge zu ändern. Meine Herren, das Präsi:
dium hat gestern beschlossen, aus Anlaß
dieser erschreckenden Zahlen den Wirt:
schaftspolitischen Ausschuß sofort zu:
sammenzuberufen, um nunmehr in ernste Bes
ratungen darüber einzutreten, welche Richt:
linien aufgestellt werden müssen.
Wünscht einer der Herren das Wort? —
Herr Rosenberger:
Meine Herren! Nach den Ausführungen,
die wir jetzt gehört haben, haben wir doch
allen Anlaß, in mehrfacher Hinsicht mit
größter Besorgnis der Zukunft entgegen:
zusehen. Trotz der nachhaltigen Stellung:
nahme, die die Handelspolitische Kommiss
sion des Reichsverbandes in Fragen der
Kontingente eingenommen hat, trotz der
festen Zusagen, die wir von den verschie»
densten Regierungsseiten in diesen Fragen
erhalten haben, werden wir jetzt durch die
Mitteilung überrascht, daß unsere Delega»
tion doch gezwungen worden ist, hier Zus»
zeständnisse zu machen, Wenn ich bei der
ıugenblicklichen Sachlage auch fürchte, daß
rgendwelche Proteste verspätet und darum
ınwirksam sein können im jetzigen Augen:
»lick, so möchte ich doch nicht unterlassen,
liese Angelegenheit hier zur Sprache zu
ringen und zu bitten, daß unsere Einwen:
lungen hier im Reichsverband zur Kenntnis
jenommen und niedergelegt werden. Sollte
ıber die Möglichkeit noch in dieser Stunde
’estehen — und ich bitte gerade diejenigen
Herren, die so freundlich sind, im Interesse
ınserer Gesamtindustrie dort mitzuarbeiten,
— irgendwelche Abänderungen zu erhalten,
3o würde ich bitten, daß dieser Einspruch
auch weiter zur Sprache gebracht wird.
Dann aber ein Zweites! Aus den Aus:
ührungen des Herrn Direktor Kraemer
haben wir wieder gehört, daß an eine Ein-
iringung der kleinen Zolltarifvorlage in
<ürze nicht zu denken ist. Ich weiß, daß
lie Geschäftsführung des Reichsverbandes
in dieser Frage wiederholt energisch vor-
;tellig geworden ist. Trotzdem ist bis jetzt
ıoch nichts geschehen. Das ist ein Zustand,
len wir uns auf die Dauer nicht länger mit
ınsehen können; und ich bin vom Vor:
;tande der Teilgruppe Baumwolle gestern
jeauftragt worden, von uns aus einen An;
'rag einzureichen, der verlangt, daß hier
ındlich ein Wandel eintritt, ein Wandel in-
sofern, als wir verlangen, daß nunmehr uns!
von dem Inhalt der Regierungsvorlage
Kenntnis gegeben wird, wie sie heute vors
ıanden ist, weiter aber auch, daß endlich:
lie Möglichkeit geschaffen wird, diese Sätze,
lie in der kleinen Regierungsvorlage vor!
jesehen sind, in Kraft zu setzen. Ich wäre
lankbar, wenn diese Aufgabe, die mir zu-
zefallen ist, dadurch Erweiterung fände, daß
der Hauptausschuß des Reichsverbandes
sich dieser Frage annimmt und sich bereit
arklärt, uns hier zu unterstützen, in dem ein
Antrag Annahme fände, im gleichen Sinne
7orzugehen, wie es die Teilgruppe Baum-
wolle beschlossen hat, hier vom Hauptaus-
;chuß und damit vom Reichsverbande aus.
Ich bin überzeugt, da die Geschäftsführung
les Reichsverbandes das nur dankbar be»
jrüßen kann, wenn ihre Bemühungen nun»
nehr auch Unterstützung durch den Haupt»
ıusschuß finden.
Vorsitzender Herr Geheimrat Dr. Duisberg:
Habe ich recht verstanden, so wünschen
Sie, die Gesetzesvorlage kennenzulernen?
Herr Rosenberger:
Wir wollen den Antrag stellen und
wären dankbar, wenn der Hauptausschuß