diesen unseren Antrag als den seinen aufs
nehmen wollte, einmal Kenntnis zu be
kommen von dem Inhalt der kleinen Zoll:
tarifvorlage, die wir alle nicht kennen. Wie
ich durch Befragen festgestellt habe, sind es,
glaube ich, nur ganz wenige Herren, die
überhaupt heute über die Dinge orientiert
sind. Zweitens aber, daß endlich die Mög:
lichkeit geschaffen wird, diese Sätze auch in
Kraft zu setzen, damit wir nicht länger ge»
nötigt sind, diese unhaltbaren Zustände zu
erleben, wie wir sie heute haben.
Herr Abr. Frowein:
Meine Herren, was den ersten Teil des
Wunsches angeht, den Herr Rosenberger
vertreten hat, so können wir selbstverständ-
ich diese Forderung an die Regierung stellen.
[ch glaube, daß wir im allgemeinen über die
Sätze orientiert sind, die in dieser Vorlage
stehen; und ich glaube, daß wir auch im all:
gemeinen in der Lage sein werden, den be-
treffenden Industrien auf Spezialfragen Ant-
wort zu geben. Aber ich bin durchaus der
Meinung, daß wir diese Forderung stellen
sollten.
Nun kommt aber der zweite Wunsch,
daß wir von der Regierung fordern sollen,
daß sie nun diese Zolltarifrevision, die
kleine oder die mittlere — die Regierung
weiß gar nicht mehr recht, wie sie sie nennen
soll — wirklich in den Reichstag einbringt.
Mit dieser Angelegenheit haben wir uns
nicht schon seit Wochen, sondern seit Mona-
ten befaßt; und die Dinge waren bis heute
vormittag soweit gediehen, daß man wirk:
lich damit rechnen konnte, daß auf Grund
seines Ermächtigungsgesetzes diese kleine
Zolltarifnovelle in Kraft gesetzt werden
würde. Gestern abend noch lagen die Dinge
so. Aber heute morgen ist in dem zuständi-
gen Ausschuß des Reichstags mit 17 gegen
1 Stimmen der spanische Handelsvertrag ab-
zelehnt worden. Das ändert natürlich die
Situation auch bezüglich dieser anderen Ver-
handlungen völlig. (Herr Geheimrat Dr.
Bücher: Es hat gar keinen Zweck, Han:
delsvertragsverhandlungen überhaupt zu
üühren!) Die Verhandlungen, die darauf
hinausliefen, der Regierung das Ermäch:
tigungsgesetz zu geben, sind völlig gestört.
Die Schwierigkeiten liegen nicht im Reichs-
verbande. Das ist ja auch nicht behauptet
worden. Ich glaube, Sie werden schon der
Geschäftsführung des Reichsverbandes über-
lassen müssen, in jedem Augenblick, so wie
die verworrenen Verhältnisse bei uns liegen,
las Zweckmäßigste zu tun, das, was am‘
neisten Aussicht auf Erfolg bietet, um das’
durchzusetzen, was wir ja alle mit Ihnen
vollen. Nicht nur die Teilgruppe Baum:
wolle, sondern die sämtlichen Gruppen des
Reichsverbandes der deutschen Industrie
vollen dasselbe, und wir sind nach besten
Sräften bemüht, es auch zu erreichen. Aber
ch muß Ihnen offen sagen, seit heute morgen
»in ich in dem Punkte außerordentlich
yessimistisch, so optimistisch gestern abend
speziell auch die Reichtagsabgeordneten
waren.
Herr Rechtsanwalt Lammers:
Meine Herren, ich möchte doch — da:
nit nicht ein falsches Bild über den tat-
;ächlichen Stand der handelspolitischen
Verhandlungen entsteht — eine kurze Be-
nerkung machen. Die Frage der Ablehnung
des deutsch:spanischen Handelsabkommens
ıängt nicht unbedingt mit den Beratungen
iber die kleine Zolltarifrevision zusammen.
„etztere sind auch trotz des Mißgeschickes,
velches dem spanischen Abkommen zuteil
wurde, fortgeführt worden. Nur insofern
zeigt sich eine gewisse Parallele, als in
»eiden Fällen ein sehr großer Teil der ent:
;tandenen Schwierigkeiten auf die Bedenken
andwirtschaftlicher Kreise zurückzuführen
st. Es kommen also bei Behandlung der be-
seichneten Fragen weniger politische als
"ein ständische Gegensätze zum Austrag.:
Diese zu überbrücken, ist außerordent-
ich schwer. Der Reichsverband hat es von
ich aus an den notwendigen Bemühungen
ıicht fehlen lassen. Tatsächlich wurden auch
jewisse Verständigungen erzielt — ich weiß
ıicht, ob darüber heute schon gesprochen
vurde —, die dahin lauten, daß die In»
{ustrie grundsätzlich die Notwendigkeit
:ines mäßigen Zollschutzes für die Land:
virtschaft anerkennt, Diese Richtlinie wurde
n unseren Ausschüssen und vor allem im
?räsidium festgelegt. Sie genügt aber an;
;scheinend der Landwirtschaft nicht.
Man will jetzt das Ermächtigungsgesetz
schaffen, in welchem die Regierung — sagen
vir ganz kurz — ermächtigt wird, das Not»
vendige hinsichtlich der Zollpolitik für eine
)bergangszeit zu tun. Gewisse Teile der
‚andwirtschaft scheinen jedoch ein Gesetz
"u verlangen, in welchem gesagt wird, daß
»‚ezüglich der Landwirtschaft die Regierung
ıicht ermächtigt, sondern verpflichtet wird,
lie Zollschranken wieder herzustellen. Ist
lem wirklich so, meine Herren, dann kann
man nicht mehr von einem Ermächtigungs»