keit schon früher ausscheidenden Unter:
offiziere und Mannschaften eine Lebensfrage
für die Armee ist. Pflichtgetreue, staatser:
haltend gesinnte Männer werden Sich nur
dann verpflichten für den Heeresdienst und
werden nur dann 12 Jahre ihres Lebens
vaterländischen Interessen opfern, wenn sie
wissen, daß für ihr späteres Fortkommen
wirklich nachdrücklich gesorgt wird.
Von einer guten Unterbringung hängt
die Stimmung im Heere und die Güte des
Ersatzes ab. Die Leute tun mißmutig ihren
Dienst, wenn sie sehen, daß ihre ausge»
schiedenen Kameraden untätig und stellung:
los in den Kasernen herumsitzen und daß
ihnen später das gleiche Los beschieden sein
wird. Kein junger Mann meldet sich dazu,
Soldat zu werden, wenn er nicht weiß, daß
für sein späteres Fortkommen er durch diese
lange Dienstzeit einen Vorteil bekommt.
Schon im alten Heere ging das Streben
der länger dienenden Soldaten dahin, nach
der Entlassung eine Beamtenstelle zu er:
halten. Das Reich hat sich aus diesem
Grund eine Anzahl Beamtenstellen vorbe-
halten. Diese Zusicherung kann aber das
Reich jetzt infolge des Personalabbaues und
des verminderten Verwaltungsapparats
nicht halten. Infolgedessen stockt die
Zivilversorgung jetzt vollständig, und es
werden Jahre vergehen, bis wir wieder in
normale Verhältnisse kommen, .das heißt,
bis Einberufungen in Beamtenstellen in
größerem Umfange eintreten werden. So:
lange kann aber und will der ältere, gediente
Soldat, der meistens verheiratet ist, nicht
warten. Er will arbeiten, er will vorwärts»
kommen. Meine Herren, Zehntausende von
Versorgungsanwärtern des alten Heeres,
darunter eine große Anzahl Kriegsbe»
schädigter und viele Versorgunsanwärter der
neuen Wehrmacht, die seit 1921 errichtet ist,
warten auf Beamtenstellen, für die sie vor:
gemerkt sind. Jetzt ist ein Teil von ihnen
teils als Angestellte bei den Behörden, teils
im freien Erwerbsleben untergekommen. Eine
große Anzahl von den aus der neuen Wehr:
macht Ausgeschiedenen haben überhaupt
kein Unterkommen; und Tausende und Tau-
sende kommen jedes Jahr neu hinzu. Wenn
das Reich nun seine Verpflichtungen einhal-
ten wollte, müßte es eine große Anzahl Be-
amtenstellen neu schaffen. Dies ist aber
jetzt, wo_eben dieser Abbau stattgefunden
hat, aus Ersparnisgründen nicht möglich. Es
bleibt deshalb nichts anderes übrig, als daß
wir bis dahin, bis wieder die Versorgung in
eu geregelte Bahnen kommt, uns um Hilfe
ımsehen; und wir brauchen Hilfe, die
ichnell wirkt. Aus diesen Gründen haben
vir uns an die Wirtschaft gewandt. Die
pitzenorganisationen der deutschen Wirte
schaft haben die große Not, in der sich
ınsere ausgeschiedenen Leute befinden,
ichtig erkannt und sich bereit erklärt, bei
ler Unterbringung im freien Erwerbsleben
tatkräftig mitzuwirken. Die gleiche Bitte
richte ich an Sie, meine Herren!
Sie müssen sich stets vor Augen halten,
daß Sie zum Besten des Vaterlandes han-
leln, wenn Sie sich unserer Leute annehmen,
ınd da die Wirtschaft selbst den größten
Nutzen davon hat, denn nur unter dem
;chutz einer zuverlässigen und zufriedenen
Wehrmacht kann sich die Wirtschaft unge:
stört entwickeln.
Diesem Gedanken folgend haben wir
iberall im Reiche Vertrauensmänner ges
vonnen, die ehrenamtlich sich bereit erklärt
1aben, uns bei der Unterbringung der Leute
m freien Beruf zu helfen. Von der Truppe
‚us sind die Truppenoffiziere, vor allem die
Commandeure, die Fürsorgeoffiziere und die
Compagniechefs angewiesen worden, mit
len Vertrauensleuten zusammenzuarbeiten.
Auch die Rano hilft tatkräftig mit, denn
%e hat schon jahrelang Verbindung mit
ler deutschen Wirtschaft. Die Spitzen:
>rganisationen der deutschen Wirtschaft
1aben teils durch Rundschreiben, teils durch
hre Fachzeitungen und teils mündlich über-
ıllhin Aufklärung über diese wichtige und
'chwierige Frage gegeben. Leider sind ihre
\nregungen aber im Reich nicht überall
lurchgedrungen.
Daher kam es, daß wir bei einer Zählung
m vorigen Herbst feststellen mußten, daß
3000 Mann aus dem jetzigen neuen Heere
zein Unterkommen gefunden haben. Der
derr Chef der Heeresverwaltung, Herr Ges
ıeral von Seeckt, hat damals im Dezember
vorigen Jahres die Spitzen der großen Ore
janisationen zu sich ins _Reichswehr-
ninisterium gerufen und ihnen in ersten
Worten diese große Not und große Sorge
Jargestellt.
Es ist nun gelungen, daß im Laufe der
Monate die Zahl der Nicht-Untergekom-
nenen von 8000 sich auf 3000 herabges
nindert hat. Dabei möchte ich aber kon:
;tatieren, daß diese 5000 nun nicht alle
ıntergekommen sind, sondern daß wir
ıatürlich nicht mit allen Leuten, die ause
jeschieden sind, noch in Verbindung stehen
ınd diese Zahl nicht genau prüfen können.
immerhin ist ganz sicher, daß trotz des Ah»