Von lebhaftem Beifall begrüßt, nahm nunmehr Prof. Dr. William
Notz- Washington das Wort zu seinem Festvortrag über
„Friedrich List in Amerika“.
Da auch dieser Vortrag in den „Mitteilungen‘“ ungekürzt erscheinen
wird (Nr. 2), sei auch hier nur die starke Wirkung verzeichnet, die
von dem zugleich klaren und tiefen Vortrag ausging, der von dem
Redner in meisterhaftem Deutsch verfaßt und gesprochen, allgemein
verständlich und eindrucksvoll war. Das von Herrn Notz neu aufgefundene
und in einer klaren Darstellung verarbeitete Material zeigte die
amerikanische Tätigkeit Friedrich Lists in ihrem vollen Umfang und
ließ zum erstenmal erkennen, welch große politische Bedeutung der
aus der Heimat Vertriebene in kurzer Frist in den Vereinigten Staaten
gewann. Einzelne Ausführungen Lists über handelspolitische Fragen
wirkten wie ein Programm und eine Lösung für die Schwierigkeiten
unserer eigenen Gegenwart,
Ein großer Teil der Zuhörer begab sich nach dem Vortrag zu den
Räumen der Deutschen Gesellschaft, wo um 143 Uhr ein gemeinsames
Mittagessen die Mitglieder der Friedrich List-Gesellschaft mit
ihren Gästen vereinigte. Im Namen des Vorstands begrüßte Minister
Saemisch die große Zahl der Gäste in einer längeren Rede, die
wir ebenso wie die übrigen Tischreden am Schluß dieses Berichtes
folgen lassen. Zu Ehren des amerikanischen Redners, seines deutschen
Stamm- und seines amerikanischen Vaterlandes sprach Geh. Rat
Harms, dessen Ausführungen für einen großen Teil der Anwesenden
zum erstenmal die internationale Wichtigkeit Lists und der Ausgabe
seiner Werke im Zeitalter der Weltwirtschaft zum Bewußtsein
brachten. Als Vertreter des Reichs-Ministers des Innern sprach Ministerialdirektor
Dr. Brecht, als Vertreter des preuß. Kultusministers
Ministerialrat Dr. v. Rottenburg. Namens des Vorstandes
dankte Prof. Lenz den bisherigen Förderern des List-Werkes.
Ihnen allen brachte in tief empfundenen Worten Prof,
Notz seine herzliche Dankbarkeit zum Ausdruck; zuerst in deutscher,
dann in englischer Rede sprach er von der großen Ehre, die
durch den freundlichen Empfang ihm und seinem Land zuteil werde
und schloß mit warmen Segenswünschen für die List-Ausgabe und
für die List-Gesellschaft als Trägerin eines zugleich nationalen und
Menschheitswerkes. Eine angeregie Unterhaltung hielt die Teilnehmer
bis nach 6 Uhr zusammen. So war es hier möglich, zum erstenmal
einen der wichtigsten Vereinszwecke zu verwirklichen: In persönlichem
Austausch traten sich die Vertreter der verschiedensten Berufe
näher; es knüpften sich Verbindungen, die für das weitere
Schicksal der Friedrich List-Gesellschaft als besonders versprechend
und zukunftshaltig erscheinen, und alle. Teilnehmer trennten sich mit
dem vielfach ausgesprochenen Verlangen, daß die Friedrich List-Gesellschaft
in nicht zu großen Abständen solche Gelegenheit der persönlichen
Aussprache und Verbindung geben möge.