Full text : Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

Von lebhaftem Beifall begrüßt, nahm nunmehr Prof. Dr. William
Notz- Washington das Wort zu seinem Festvortrag über
„Friedrich List in Amerika“.
Da auch dieser Vortrag in den „Mitteilungen‘“ ungekürzt erscheinen
wird (Nr. 2), sei auch hier nur die starke Wirkung verzeichnet, die
von dem zugleich klaren und tiefen Vortrag ausging, der von dem
Redner in meisterhaftem Deutsch verfaßt und gesprochen, allgemein
verständlich und eindrucksvoll war. Das von Herrn Notz neu aufgefundene
 und in einer klaren Darstellung verarbeitete Material zeigte die
amerikanische Tätigkeit Friedrich Lists in ihrem vollen Umfang und
ließ zum erstenmal erkennen, welch große politische Bedeutung der
aus der Heimat Vertriebene in kurzer Frist in den Vereinigten Staaten
 gewann. Einzelne Ausführungen Lists über handelspolitische Fragen
 wirkten wie ein Programm und eine Lösung für die Schwierigkeiten
 unserer eigenen Gegenwart,
Ein großer Teil der Zuhörer begab sich nach dem Vortrag zu den
Räumen der Deutschen Gesellschaft, wo um 143 Uhr ein gemeinsames
 Mittagessen die Mitglieder der Friedrich List-Gesellschaft mit
ihren Gästen vereinigte. Im Namen des Vorstands begrüßte Minister
Saemisch die große Zahl der Gäste in einer längeren Rede, die
wir ebenso wie die übrigen Tischreden am Schluß dieses Berichtes
folgen lassen. Zu Ehren des amerikanischen Redners, seines deutschen
 Stamm- und seines amerikanischen Vaterlandes sprach Geh. Rat
Harms, dessen Ausführungen für einen großen Teil der Anwesenden
 zum erstenmal die internationale Wichtigkeit Lists und der Ausgabe
 seiner Werke im Zeitalter der Weltwirtschaft zum Bewußtsein
brachten. Als Vertreter des Reichs-Ministers des Innern sprach Ministerialdirektor
 Dr. Brecht, als Vertreter des preuß. Kultusministers
 Ministerialrat Dr. v. Rottenburg. Namens des Vorstandes
 dankte Prof. Lenz den bisherigen Förderern des List-Werkes.
 Ihnen allen brachte in tief empfundenen Worten Prof,
Notz seine herzliche Dankbarkeit zum Ausdruck; zuerst in deutscher,
 dann in englischer Rede sprach er von der großen Ehre, die
durch den freundlichen Empfang ihm und seinem Land zuteil werde
und schloß mit warmen Segenswünschen für die List-Ausgabe und
für die List-Gesellschaft als Trägerin eines zugleich nationalen und
Menschheitswerkes. Eine angeregie Unterhaltung hielt die Teilnehmer
bis nach 6 Uhr zusammen. So war es hier möglich, zum erstenmal
einen der wichtigsten Vereinszwecke zu verwirklichen: In persönlichem
 Austausch traten sich die Vertreter der verschiedensten Berufe
 näher; es knüpften sich Verbindungen, die für das weitere
Schicksal der Friedrich List-Gesellschaft als besonders versprechend
und zukunftshaltig erscheinen, und alle. Teilnehmer trennten sich mit
dem vielfach ausgesprochenen Verlangen, daß die Friedrich List-Gesellschaft
 in nicht zu großen Abständen solche Gelegenheit der persönlichen
 Aussprache und Verbindung geben möge.
            
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