Full text : Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

Die große Zahl der Erschienenen hieß Minister Saemisch mit
folgenden Worten willkommen:
Meine Damen und Herren!
Namens der Friedrich List-Gesellschaft habe ich die Ehre, Sie zu bezrüßen.
 Ich tue dies in Vertretung unseres leider durch Krankheit am
Erscheinen verhinderten, verehrten Vorsitzenden, des Herrn Prof. Dr.
Spiethoff in Bonn. Daß Sie in großer Zahl unserer Einladung gefolgt
 sind, verpflichtet uns zu aufrichtigem Dank. Ihr Erscheinen ist
ein Beweis dafür, daß der Name Friedrich List noch in den weitesten
Kreisen der Öffentlichkeit lebendig ist und eine Anziehungskraft auf alle
die ausübt, die der Volkswirtschaft und der Staatspolitik ein wissenschaftliches
 Interesse entgegenbringen.
Den Boden zu bereiten für eine neue Erweckung Listschen Geistes
ist die Aufgabe unserer Gesellschaft.
Wiederholt sind schon bisher Versuche unternommen worden, eine
wissenschaftliche List-Ausgabe herauszubringen. Sie sind indessen ohne
Erfolg geblieben angesichts der Größe und Schwierigkeit einer Gesamtedition
 der über die Alte und Neue Welt zerstreuten und vielfach verborgenen
 Schriften Lists. Ebenso sind bisher alle Versuche gescheitert,
im Zeichen und Namen Lists wirtschaftspolitische Vereinigungen zu
gründen. Unsere Gesellschaft hat sich zum erstenmal insofern ein neues
Ziel gesteckt, als sie ausgehend von der zuerst erwähnten Aufgabe einer
Gesamtedition der Werke Lists damit zugleich die Idee verbindet, im
Geiste Friedrich Lists wirtschaftspolitische Gedankengänge wirksam zu
fördern. Dieses doppelte Ziel ist ein höchst lohnendes. Denn der Ideenund
 Arbeitskreis von Friedrich List berührt und umfaßt so recht die
Probleme gerade unserer Gegenwart.
Handelt es sich doch für uns wie für List um ein doppeltes Problem,
wenn es gilt, den Inhalt, die Mittel und die Ziele der politischen Ökonomie
 zu bestimmen: zunächst Aufbau der Nation und der nationalen
Wirtschaft, sodann und zugleich aber auch Einbau der nationalen Wirtschaft
 in die Weltwirtschaft. Dieses zweigeteilte Problem: die Herausarbeitung
 der Grundlagen und Bedingungen für eine nationale Staatswirtschaft
 und zugleich der ganze Fragenkomplex zwischenstaatlicher
Wirtschaft in ihrer Wechselwirkung und Verknüpfung, ist indessen
— dies sei von mir nur angedeutet — nur eine der vielen Anregungen,
 Fragen und Lehren, die aus dem unerschöpflichen und jedenfalls
 zur Zeit noch völlig unerschöpften geistigen Reservoir der wissenschaftlichen
 und publizistischen Werke Fr. Lists entspringen.
Es ist ein besonderes Glück, daß unsere noch junge Gesellschaft bei
ihrer diesmaligen Tagung, mit der sie zum erstenmal werbend an eine
zewisse Öffentlichkeit hinaustritt, in der Lage ist, Ihnen aus berufenstem
Munde einen besonders interessanten und bedeutungsvollen Ausschnitt aus
dem Wirken Friedrich Lists schildern zu lassen.
Herr Prof. Dr. Notz von der Georgetown University in Washington,
der Mitglied unseres Vorstandes und Herausgeber der amerikanischen
Schriften Lists ist, hat die große Freundlichkeit, vor uns über „Friedrich
List in Amerika“ zu sprechen, Ich heiße ihn auch an dieser Stelle, wo
wir uns dank der Gastfreundschaft der Friedrich-Wilhelm-Universität zusammengefunden
 haben, herzlich auf deutschem: Boden willkommen und
bitte ihn, nunmehr das Wort zu ergreifen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.