Full text : Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

bekommen müsse. Du siehst der ganze Plan durch Belgien einen
Fuß in Frankreich zu bekommen, war prächtig angelegt, u. ist
soweit aufs Beste gelungen; nur daß eben viele Zeit darüber hingegangen
 ist u. noch viele darüber hingehen wird.
Lu B
Emilie ist Tag u. Nacht (stets)!4 in meiner Gesellschaft.
 Ich diktire oder sie schreibt mir ab.
Sieschreibtschön u.korrektu.versteht die französische
 Grammatik aus dem Grund, so daß wir
nun auch große französische Aufsätze zusammen
 machen. Wirhaben angefangen zwey Preisfragen
 zu beantworten die am ı. Jan des nächsten
 Jahres fertigsein müssen. Wennich gesund
bleibe, so komme ich damit zu Stande, u. wenn
ich damit zu Stande komme, so gewinne ich den
Preis /3000 u. 1500 Fr./ also 4500 Fr./ u wen
ich den Preiß gewinne, so feyereich über meine
Feindein Deutschland einen Triumph der nothwendig
 in Deutschland oder in Frankreich gute
Folgen für uns haben muß. Ich arbeite gegenwärtig
 nicht weniger als 15. Stunden im Tag.“

Auch von diesem Brief hat Häusser einen Auszug gebracht, aber
wieder: nur einen Auszug aus dem ersten und aus einigen, in unserm
Zusammenhang nicht wichtigen, rein-persönlichen späteren Absätzen,
wogegen die ganze, auf die zwei Preisaufgaben bezügliche Stelle von
ihm nicht berücksichtigt wurde. Dies obwohl kaum ein anderer Brief
so lebendig das überschäumende Temperament Lists zeigt, seine Art,
Hoffnungen als Tatsachen zu nehmen und auf ihrem schwanken
Grund ein hohes Gebäude zu errichten, Lists Frau, deren melancholische
 Gemütsstimmung oft genug seine beste Schwungkraft lähmte,
hat den Zusammenbruch auch dieser Hoffnungen richtig vorausgesehen.
 Auf dem Neujahrsbrief finden sich einige Bleistiftnotizen
von ihrer Hand, darunter die Worte: „Der Morgen, an dem Du mir
wieder schreiben wolltest, hat noch immer anzubrechen — — — Ich
fürchte Du wirst Dich abermals täuschen — Man wird gewiß auch
dort gegen Dich unterminieren ...”
Auch aus einem Brief vom 4. Dezember 1837, in dem sich die
letzte Erwähnung der Preisschriften in Familienbriefen findet, hat
Häusser die entscheidende Stelle nicht berücksichtigt. Sie lautet:

„Einstweilen arbeite ich mit Emilie an der
Preißfrage. Daich mich wohlbefinde, u. die Arbeit
 mir von Statten geht, u. da ich aus Deinem
Jetzten Brief ersehe, daß Du u. die Kinder wohl
sind, so bin ich gutes Muthes. Wir arbeiten vom
frühen Morgen bis in die späte Nacht.

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