Full text: Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

So hebt sich also ‚eine mittlere Schaffensperiode Lists auf der 
Grundlage der politischen Sicht: La nation predominante gegen die 
Kontinentalallianz in ihrer Gesamtstruktur als Einheit scharf her- 
aus. Diese Zeit ist aber zugleich, wie angedeutet, die allein in vollem 
Sinn systematische Epoche in Lists Schaffen, 
Die beiden oder in weiterem Sinne die drei Gebäude der politischen 
Ökonomie sind Wirtschaftssysteme, aufgestellt vom Standpunkt der 
gegenüber England industriell tiefer stehenden Völker, denen als Ziel 
die nation predominante vorgestellt wird, zu dessen Erreichung sie sich 
befähigt fühlen — und dieses zielgerichtete Wollen zu stärken und 
in der logisch möglichsten Weite und Begrifflichkeit und damit in der 
größten Wirksamkeit zu prägen, ist Lists aktuell politische Lebenstat. 
Damit ist in aller Schärfe Lists Zeitgebundenheit betont. Und hier 
liegen die Schwierigkeiten einer direkten Beibehaltung und Fortent- 
wicklung seines Systems. Dennoch: wer immer innerhalb eines: Wirt- 
schaftssystems den Tatbestand der Mehrheit der Nationen und der da- 
zu gehörigen politischen Bestände begrifflich berücksichtigen will, 
wird auch hier schon an List nicht vorübergehen können. 
Zudem ist aber zu beachten: Unsere ganze Darstellung, die sich auf 
eine systematische Einteilung der Werke Lists und die Stellung der 
Preisschrift innerhalb der übrigen Schriften beschränkt, läßt bewußt 
außer acht den durchgehenden, dynamischen Kernbegriff der pro- 
duktiven Kräfte; welche dauernde Bedeutung unter diesem Gesichts- 
punkt Lists Lehre zukommt, dies, in der Abhebung von dem Gesamt 
der heutigen Wirtschaftswissenschaft zu erkennen und zu klären, ist 
aine gänzlich andere. noch nicht übersehbare Aufgabe. 
IV. Die Stufenlehre in Lists Werken. 
Es kann nicht Aufgabe einer kurzen Abhandlung sein, den Inhalt 
der Preisschrift und ihre Bedeutung zu erschöpfen; dennoch soll in 
den zwei schon genannten Hauptpunkten: der Stufenlehre*! und des 
Nationbegriffes über eine allgemeine Charakteristik hinausgegangen 
und eine prinzipiell erschöpfende Darstellung mit Heranziehung aller 
wesentlichen Materialbelege gegeben werden; damit soll sich ein Ver- 
gleich der Parallelen oder varlierenden Ausgestaltungen der gleichen 
Themen in den anderen Hauptschriften Lists verbinden und so an 
wichtigen Punkten die Stellung der Preisschrift in der Gesamtentwick- 
jung Lists zur Anschauung gebracht werden. 
Als Hauptstück des Pariser Systems bietet sich schon rein äußer- 
lich die Theorie der Wirtschaftsstufen dar. Die Ausführung füllt vier 
ganze Kapitel oder in weiterem Sinne acht Kapitel*?, In keinem ande- 
ren Werke Lists findet sich eine hiermit irgendwie vergleichbare zu- 
sammenhängende Durchführung dieses Themas. Die Stufenlehre ist 
zwar auch im Nationalen System das Rückgrat des ganzen Aufbaus, die 
direkte Darlegung aber findet sich nur in eingesprengten Abschnit- 
ten, mehrfach ganz unverbunden mit den sie umgebenden Ausführun- 
gen. Die Preisschrift bringt die Stufenlehre nicht nur in geschlosse- 
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