auf — in diesem ungeheuerlichen Versuch eines gigantischen Kampfes
ist Friedrich List gestorben. Sein Lebenswille, gänzlich gerichtet auf die
Gleichstellung Deutschlands und Englands, brach, als er dies Ziel ver-
nichtet glaubte; seine Lehre lebt, weil ihr rationaler und systema-
‘scher Kern zugleich das tiefste Erleben der Person war.
Dieser .Kampf gibt dem Zollvereinsblatt den großen Zug einer dä-
monischen Leidenschaft, List ringt mit Peel, um jetzt, Person gegen
Person, neben ihm zu stehen: als Begründer der politischen
Verbindung beider Länder. Lists Sprache und Stil erreicht in diesen
Jahren die klassische Reife. Tiefgebeugt durch die lebenslängliche
geheime Verfolgung seitens Metternichs spannt sich sein Leben empor
bis zum Höhepunkt: der Überreichung des Bündnisvorschlags an den
großen, bewunderten Gegner — im ıinstinktiven Vorwissen der Ab-
lehnung gibt er sein Leben auf, ehe die kühlen schulmeisterlichen
Antworten Peels und Palmerstons eintrafen120,
Wie Lists Leben in jenen Jahren um Robert Peel zentriert ist, so
ändert sich unter dessen Einfluß Lists politische Sehrichtung und
damit die Gesamtstruktur seiner Lehre121,
List sieht die Unentrinnbarkeit der englischen Imperialentwicklung,
die er vorher durch die gemeinsame koloniale Wirtschaftspolitik der
nations du deuxieöme ordre vernichten wollte12?, Er sieht sie jetzt als
die reale Zukunft!2?®, Vor dieser historischen Realität zerfällt der Ge-
danke der Kontinentalallianz, und alle schon vorhandenen Teile der
Lehre ordnen sich neu, ohne daß List einen Bruch mit seiner früheren
Systematik erlebt.
Nicht gegen England, sondern im Bunde mit England soll Deutsch-
lands Entwicklung jetzt vor sich gehen. Dieser Aspekt ist notwendig und
tatsächlich zugleich mit dem Imperialbegriff der Nation da. Die Idee
dieses vierten Begriffs der Nation empfängt List, wie die meisten sei-
ner Anregungen, aus den Reden der Politiker in England, aber auch in
Frankreich und Amerika. Für alle Etappen seiner Entwicklung in den
letzten Jahren sind die bestimmten Daten in den Zeitungen und Zeit-
schriften zu verfolgen. Aber auch die entscheidende Buchquelle ist
genannt: „Principle of political Economy by Poulett Scrope, London
1833“, auch der Terminus „Kolonialsystem‘, den List meist ver-
wendet, ist aus Scrope genommen124,
Wir geben einige entscheidende Sätze für den Charakter des Ko-
lonialsystems: „Jemand hat unlängst England einen Weltteil für sich
allein genannt, und meinte damit etwas Großes zu sagen. Wir an un-
serem Teil sind der Meinung, er habe die Wichtigkeit des Inselreiches
bedeutend unterschätzt: England ist eine Welt für sich
allein und noch dazu eine Welt, die der übrigen Welt in Beziehung
auf Macht und Reichtum weit überlegen ist!25,‘““ „England, wie es
nach und nach aufhören wird, durch den internationalen Handel Roh-
stoffe und Lebensmittel zu beziehen, wird es auch nach und nach auf-
hören müssen, Fabrikate an andere Nationen abzusetzen . . .‘“ Kon-
sequenz: „Darüber kann kein Zweifel sein. Die fremden Nationen
werden und müssen mehr und mehr teils sich in sich selbst zurück-
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