Full text : Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

ist, je mehr sie Manufakturprodukte exportiert, je mehr sie Rohstoffe
 importiert und je mehr sie an Produkten der heißen Zone konsumiert‘“114,
 Es fehlt diesem Begriff jeder spezifisch nationale
Zug.
Die Systematik der mittleren Periode ist organisiert durch diesen
dritten. Begriff der Nation. Er ist die Norm für die politisch gemeinsam
 gegen England gerichteten nachstrebenden Nationen. Die ganze
Lehre beruht also, wie wir im Beginn betonten, auf einer politisch geschauten
 Konstellation: England, die nation predominante im Interessenkonflikt
 mit allen weniger entwickelten, aber gleichstrebigen Nationen.
 Es ist die begriffliche Form, in welcher das Ziel der vierten
Wirtschaftsstufe und das Sein und die Handelspolitik des gegenwärtigen
 Englands115 in das Svstem der Wirtschaftslehre hereingenommen
wird.

Der vierte Begriff: Das Imperium.
Der vierte Begriff der Nation in Lists Lehre liegt mit seinen Wurzeln
 bereits in der Preisschrift und im Nationalen System, insofern
er eine gedankliche Fortbildung ist aus den Forderungen der Normalnation
 und des ökonomischen Grundsatzes des direkten Verkehrs des
Manufakturlandes der gemäßigten Zone mit den südlichen Ländern.
welche ihm Kolonialwaren und Rohstoffe liefern.
Die Normalnation forderte grundsätzlich eine vollständige Ausbildung
 aller Industrien gleichförmig für alle berufenen Länder der
nördlichen Zone; prinzipiell haben diese Nationen also kein Bedürfnis
gegenseitiger wirtschaftlicher Verbindung und Ergänzung; immer
wichtiger also wird wirtschaftspolitisch und auch politisch der Verkehr
 mit den nicht industriellen Gebieten, und wir wissen, daß für
List ganz Asien und Afrika, Südamerika usw. „von Natur ewig“ zum
Ackerbau bestimmt sind. Dazu tritt nun immer schärfer die Einsicht,
daß damit die großen europäischen Nationen sich wirtschaftlich immer
 mehr von einander absondern werden1!!6, Diese Einsicht war vorher
 durch den politischen Wunsch der Kontinentalallianz soweit verdeckt,
 daß sie keinen Einfluß auf die Organisation der Systeme erhielt.

Diese Gedanken sind in den beiden Systemen schon durchaus vorhanden;
 im Zollvereinsblatt aber werden sie das maßgebende Strukturelement
 der Wirtschaftslehre. Die Normalnation bildetsich
 weiter zur Imperialnation. Doch sind weder logische
 noch wirtschaftliche Erwägungen die Motive für jene radikale
Änderung, die es notwendig macht, nach dem nationalen System eine
neue Periode in Lists Gesamtlehre anzusetzen.
Der Umschwung liegt vielmehr begründet in einer neuen politischen
Gesamtschau, durch sie erst wird eine neue Lehre geprägt.
Doch stellen wir zunächst fest, was die Beschreibung des Imperialbegriffs
 der Nation innerhalb unserer Ausführungen leisten soll. Zuvörderst
 stellt die Imperialnation natürlich einen von den drei gegebenen
 zu unterscheidenden Begriff der Nation dar. Er soll sodann
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