Object: Ferdinand Lassalle

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Als Christian Wolf die Leibnizsche Philosophie in 
Halle popularisierte, insinuierte man dem damaligen 
Soldatenkönige Friedrich Wilhelm I., daß nach Wolfs 
Lehre von der prästabilierten Harmonie die Soldaten 
nicht aus freieni Willen desertierten, sondern vermöge 
dieser besondern Einrichtung Gottes, der prästabilierten 
Harmonie, und daß diese Lehre also, in das Militär ver 
breitet, höchst gefährlich wirken müßte. Es ist wahr, 
daß dieser Soldatenkönig, der den Staat in seinen Regi 
mentern sah, hiedurch aufs äußerste aufgebracht, sofort 
eine Kabinettsorder an Wolf erließ, im November 1723, 
in der er ihm befahl, bei Strafe des Stranges binnen 
zweimal vierundzwanzig Stunden die preußischen Staaten 
zu verlassen — und Wolf mußte fliehen. Aber wenn 
die Lettres de cachet der Könige ohne Appell sind in der 
Zeit, so sind sie dafür ohne Ansehen und ohne Bedeutung 
in der Geschichte, überdies hatte jener Soldatenkönig 
nur eine offene freie Gewalttat begangen und nicht die 
Formen des Rechts entweiht. Er drohte, er werde 
Wolf hängen lassen, und er hätte dies durch seine Soldaten 
ausführen lassen können. Auch die Gewalt hat noch eine 
gewisse Würde, wenn sie offen auftritt. Aber er be 
leidigte nicht seine Richterkollegien durch das Ansinnen, 
daß sie die Wissenschaft verurteilen sollten! Es 
fiel ihm nicht ein, die Gewalt in Recht zu verkleiden! 
Zudem, kaum besteigt Friedrich der Große, er, der 
zwar gewiß Soldaten brauchte, aber deshalb doch ein 
Staatskönig und kein Soldatenkönig war, am 
31. Mai 1740 den Thron, als er sechs Tage darauf, 
am 6. Juni 1740, wegen Wolfs, an den übrigens auch 
schon Friedrich Wilhelm I., seine Gewalttat bereuend.
	        
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