2.63 Milliarden Tonnen. : Der schon vor dem Kriege französische Teil
(Französisch-Lothringen und Briey) bedeckt 61000 ha und enthält
2,72 Milliarden Tonnen, zusammen 5,35 Milliarden Tonnen Minette.
Das geologisch zum unteren Dogger (Jura) gehörende Erz ist
gänzlich manganfrei und enthält in Lothringen und Luxemburg
28 bis 32 °% Fe, im Briey-Becken sogar 35 bis 38 % Fe neben 0,7 bis
0,8% P. Der hohe Kalküberschuß der am meisten gebauten: Lager
macht dieses Erz zu einem außerordentlich leichtgehenden Thomaseisenerz.
Vor dem Kriege besaß die deutsche Eisenindustrie in dem französischen
Teil des Minettevorkommens, also dem Briey-Becken, 5 °/, dieses
Teiles direkt und war an weiteren 10°, indirekt beteiligt, so daß ein
hervorragendes deutsches Interesse an nahezu 15 9% des französischen
Minettegebietes bestand. Unter Hinzurechnung des Deutschland früher
ganz gehörenden deutschen Teiles beeinflußte die deutsche Hochofenindustrie
60 °% des gesamten Minettevorkommens. .
Durch das Versailler Diktat ist dieser überaus kostbare Erzbesitz
restlog verlorengegangen, nur unwesentliche Teile konnten vermöge
ihrer Lage im neutralen Luxemburg erhalten bleiben. Es handelt sich
hierbei nur um eine einzige Grube mit einem Vorrat von 3 bis 4 Millionen
Tonnen Minette und einer Förderung von etwa 180 000 Tonnen
im Jahr, so daß praktisch der gesamte Bedarf an diesem Erz aus Frankreich
bezogen werden muß.
Die rheinisch-westfälischen Werke kaufen nur kalkige Sorten, also
solche, die einen höheren Prozentsatz Kalk als Kieselsäure enthalten.
Die kieselige Minette läßt eine wirtschaftliche Verhüttung in Deutschland
nicht zu infolge des höheren Koksverbrauches. Von den Kalkminetten
werden drei Qualitäten von Deutschland gekauft, und zwar:
I. Qualität mit 35% Fe i. Tr. hauptsächlich aus dem Briey-Becken
N. m „» 32% nn » hauptsächlich lothringischer Herkunft
IL. “ ; 98% _ » „hauptsächlich luxemburgischer Herkunft
Auf die letztgenannte Sorte wird wegen ihres geringen Eisen:
gehaltes nur in Zeiten großer Minette-Knappheit zurückgegriffen.
Die Erze werden. in fester Währung verkauft, und zwar je nach
Vereinbarung frei Waggon ab Grube, frei Waggon Straßburg oder frei
Waggon deutsche Grenze. Die am Rhein gelegenen Werke beziehen
ihre lothringische und Briey-Minette fast ausschließlich über Straßburg
und: von dort per Kahn rheinabwärts; die Abschlüsse erfolgen „frei
Waggon Straßburg“. Die weiter landeinwärts liegenden Hütten, welche
nicht unmittelbar an einer Wasserstraße liegen, erhalten ihre Minette
auf dem direkten Bahnwege, und zwar. die lothringische und Briey-Minette
über Sierck, die luxemburgische Minette über Wasserbillig,
diese Werke kaufen daher „frei Waggon Sierck/deutsche Grenze‘. Die
Dortmunder Werke und die am Rhein-Herne-Kanal gelegenen Werke
halten sich beide Bezugswege offen und kaufen daher in der Hauptsache
„frei Waggon Grube“, weil bei günstigen Rheinfrachten die Transport
kosten für den gebrochenen Verkehr über Straßburg unter die Trans
portkosten auf dem direkten Landwege sinken.
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