Full text: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

Vorsitzender: Ich frage Herrn Ministerialrat Arlt, ob er zu 
den ergangenen Ausführungen noch etwas hinzufügen will? 
Sachverständiger Arlt: Die Ziffernangaben über die Förder- 
leistung sind richtig. In der ersten Hälfte des Jahres 1927 haben sich 
die Maßnahmen der Rationalisierung mit Hilfe der Staatsunterstützung 
noch weiter geltend gemacht. Es sind weitere Fördersteigerungen ein- 
getreten. Mit einer Förderleistung von über 208 000 Tonnen im Monat 
März 1927 ist der Durchschnitt vor dem Kriege mit 219 000 Tonnen fast 
erreicht. Es ist zweifellos, daß die Staatssubventionen in den betreffen- 
den Gebieten in jeder Beziehung gut gewirkt haben. Die Lage der 
Gruben war bergmännisch folgende: Vor dem Kriege waren Aus- und 
Vorrichtungsarbeiten eine Selbstverständlichkeit. Diese Arbeiten 
mußten unter dem Zwange des Krieges zurückbleiben. Daraus war in 
erster Linie der Notstand dieser Erzbezirke entstanden. In der Nach- 
kriegszeit, in der sich die Schwierigkeiten. sowieso häuften, mußten nun 
diese unproduktiven Arbeiten nachgeholt werden. Die Folge war Rück- 
gang der Förderung. CHeichzeitig! waren die Betriebsleitungen bemüht, 
die Errungenschaften der modernen Technik auch in den Erzbergbau 
einzuführen. Früher sah eine Erzgrube im Siegerland gegenüber den 
heutigen Verhältnissen recht primitiv aus. Heute sind moderne Förder- 
maschinen vorhanden und neuzeitliche und gut arbeitende Aufbereitun- 
gen gebaut worden: auch unter Tage sind die maschinellen Hilfsmittel 
sehr weit ausgebaut worden. Maschinelle Bohrarbeit wird heute all- 
gemein angewendet. Das hat dazu beigetragen, die Förderleistung 
zu heben. Es ist bedauerlich, daß die hierdurch bewirkte KEr- 
niedrigung der Selbstkosten wieder aufgezehrt worden ist durch die 
Steigerung der sozialen Abgaben, insbesondere durch die Erhöhung der 
Knappschaftsgefälle, Die Frage bewegt ständig die Regierung, wie hier 
geholfen werden kann. Bis jetzt sind! es insgesamt 6,7 Millionen Mark, 
die das Notstandsgebiet bekommen hat, und zwar als Kapital, nicht als 
verzinsliches Darlehn oder mit der Verpflichtung der Rückerstattung. 
Wir haben in der ersten Hälfte dieses Jahres durch die Deutsche Re- 
visions- und Treuhandgesellschaft A.-G. eine eingehende Überprüfung 
der wirtschaftlichen Betriebsverhältnisse vornehmen lassen; das Er- 
gebnis war, daß tatsächlich sämtliche Gruben ohne wirtschaftlichen 
Gewinn arbeiten, wenn man die Abschreibungen nicht berücksichtigt. 
Nun sind vom Siegerland verschiedene Vorschläge in der Richtung ge- 
Macht worden, daß die Regierung weitere Hilfe geben soll. Die Vor- 
Schläge liegen in dreierlei Richtung. Man sucht, gewisse Steuer- 
erleichterungen zu bekommen, bittet zweitens um Erleichterung und 
Nachlaß der Soziallasten beim Reichsarbeitsminister, aber am 
Wichtigsten ist zweifellos eine Lösung der Frachttariffrage des Sieger- 
landes. Wir stehen mitten in der Bearbeitung der Dinge. Von der 
Reichsbahngesellschaft ist bisher zu dem Antrag des Siegerlandes noch 
keine Antwort ergangen. Die Reichsbahngesellschaft hat im ver- 
gangenen Jahre ein gewisses Entgegenkommen gezeigt, dann aber doch 
Wieder einen ablehnenden Standpunkt eingenommen. Es ist zweifellos, 
daß nur auf dem Gebiete des Tarifwesens und Ermäßigung der sozialen 
Lasten dem Siegerland dauernd geholfen werden kann.
	        
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