Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

326 Fünfzehntes Buch. Zweites Kapitel. 
aus gnädigem und günstigem Willen und mehrmals aus Mangel 
anderer Versonen“ 
In diese für die Städte höchst peinliche Lage fiel ein 
Schreiben des Kaisers ein, das die Hauptfrage, den Reichs— 
zoll, wieder in den Vordergrund drängte und hierfür die Grund— 
lage der Erörterung sehr zu Gunsten der Städte verschob. 
Das Reichsregiment hatte den Kaiser um Genehmigung 
der Finanzvorlage gebeten, diese aber nicht weiter abgewartet, 
da an seiner Zustimmung nicht gezweifelt wurde. Nun meldete 
aber das kaiserliche Schreiben am 26. Dezember 1522, der 
Kaiser hege gerade gegen den Reichszoll wegen der nicht völlig 
sicheren Wirkung auf die Niederlande Bedenken; ehe er sich 
entscheide, wolle er Genaueres wissen über die Gestaltung des 
Tarifs, über die Zollgrenze und andere technische Fragen. 
Jetzt blieb nichts übrig, als den Beschluß über den Zoll aus— 
zusetzen und an den Kaiser von neuem zu berichten. Das 
Regiment that das unterm 8. Februar 1523 in dringend em— 
pfehlendem Sinne. 
Aber konnten die Städte nicht auch an den Kaiser gehen 
und ihn zu unterrichten suchen? Am 22. März 1528 be— 
schlossen sie auch ihrerseits eine Gesandtschaft an den Kaiser, 
und am 8. August empfing Karl ihre Boten zu Valladolid. 
Die Boten führten aus: der Reichszoll werde sie ruinieren, zu— 
mal man auch gegen die Monopole geschlossen vorgehen wolle?; 
er sei unmöglich. Aber wozu bedürfe die Majestät überhaupt eines 
Reichsregiments, das sie stets beunruhige? Besser, das Regi— 
ment höre auf; den Städten genüge der Majestät Bruder als 
Reichsstatthalter und eine tüchtige Besetzung des Kammer— 
gerichts, und am liebsten sähen sie Ferdinand als römischen 
König. 
Was sollte der Kaiser auf diese verführerischen Sätze 
antworten? Und konnte der Kaiser, ganz davon abgesehen, 
Baumgarten, Karl V., 2, 805 Anm. 
2 S. dazu oben S. 96f.
	        
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