Full text: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

1923 wies der Altschrottverbrauch einen Tiefstand auf. Nach vor- 
stehenden Ausführungen‘) war 1923 der Kriegsschrott, welcher 
vorübergehend den Gesamtaltschrottentfall erhöht hatte, erschöpft. Die 
Reichsbahn”), eine der wichtigsten Schrottlieferanten, nahm 1923 
keine Erneuerung ihres Oberbaus vor. Die von hier herrührende Min- 
derung des Schrottentfalls wurde zweifellos nur zum kleinsten Teil durch 
den Schrottentfall auf Grund der Inflationsneubauten. aus- 
geglichen, vor allem, weil der im besetzten Ruhrgebiet entfallende Alt- 
schrott dort liegen blieb. Die Steigerung des Schrottentfalls in den näch- 
sten beiden Jahren war — teils infolge Verbrauchs dieses Ruhrschrotts?) 
und vor allem teils infolge Anfalls von Rationalisierungsschrott — 
wahrscheinlich etwas stärker, als sie normalerweise, d.h. ohne den be - 
sonderen Zwang zur Rationalisierung, gewesen wäre. In den kom- 
menden Jahren ist aber einerseits wegen Fortsetzung der Rationalisie- 
rung, andererseits wegen des von der Reichsbahn herrührenden ver- 
stärkten Schrottentfalls, kein Rückgang des Gesamtschrottentfalls zu 
erwarten. 
Wenn der Schrottentfall der Reichsbahn wieder nachläßt, d. h. nach 
etwa fünf Jahren, kommen bei Annahme einer 20jährigen Lebensdauer 
des Eisens wesentlich höhere Altschrottmengen zum Ausstoß, weil die 
Investitionen von. 1907 bis 1912 um über 30% gestiegen waren. Auch 
dann ist also noch keine Verringerung des Altschrottentfalls zu er- 
warten. Bei Annahme einer 25jährigen Lebensdauer wären dann die 
nach den entsprechenden Investitionen in. der Vergangenheit zu er- 
wartenden Altschrottmengen sogar 70% höher. Um den gleichen 
Prozentsatz wie der nach den Investitionen zu erwartende Altschrott- 
entfall müßte aber die Eisenerzeugung in fünf Jahren steigen, wenn das 
Verhältnis zwischen Gesamteisenproduktion und Gesamtschrottentfall 
gleichbleiben soll. Denn der Neuschrottentfall vermehrt sich als 
Funktion der Eisenerzeugung in gleichem Maße wie diese; wenn z. B. 
die Eisenerzeugung bis 1932 um 20% steigt, so vermehrt. sich auch der 
Neuschrottentfall um 20%; der Altschrottentfall dürfte ebenfalls nicht 
mehr als 20% zunehmen, wenn das Verhältnis zwischen dem Gesamt- 
schrottentfall und Eisenproduktion das gleiche bleiben zoll wie 1927. 
Im Gutachten 2 der Eisenindustrie wird mit einem besonders großen 
Schrottbedarfs der Zukunft gerechnet‘). Die monatlichen Pro- 
duktionszahlen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller 
machen eher das Gegenteil wahrscheinlich. Die Erzeugung an Th- 
Blöcken (Stahlerzeugung aus Roheisen, d.h. aus Erz) und an SM- 
Blöcken (Stahlerzeugung unter Verwendung von Schrott) verlief in fol- 
gender Kurve: 
1) Siehe S. 814. 
?) Siehe S. 807. 
3) Val. auch die sehr viel stärkere Erzeugung von SM-Rohblöcken als Th-Blöcken 
auf nachfolgender Kurve Anfang 1924. 
*) 5.299: „..... jedenfalls bleibt ein hoher Schrottbedarf, ja, er dürfte sicherlich 
noch erheblich wachsen“. 
jZU
	        
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