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Entwickelung des Verkehrswesens.
barischen Küste und nach Ceylon unter Benutzung der regelmäßig auftretenden Winde.
Es war nämlich dem griechischen Piloten Hippalus um die Mitte des ersten Jahrhunderts
gelungen, mit Benutzung der bereits zu Alexanders Zeiten bekannten Monsune, aus dem
Golf zu Aden quer über den Indischen Ozean nach den malabarischen Hafenplätzen zu
fahren. Die bisherige Küstenfahrt wurde dadurch in eine Fahrt auf hoher See ver
wandelt. Seitdem verließen die Jndienfahrer im Juli die ägyptischen Häfen, erreichten in
30 Tagen Okelis am arabischen Ufer des Bab el Mandeb und gingen mit dem Südwest
monsun in 40 Tagen nach den indischen Küsten. Im Golfe von Cambaja warteten ihrer
vor dem Hafenplatz Barygaza die königlichen Lotsen, um die Kauffahrer sicher über
trügerische Tiefen zu bringen, oder die Schiffe hielten südlicher, um sich in den großen
malabarischen Stapelplätzen Muziris (Mangalore), Nelkynda (Nelifferam) und Kotto-
narike (Cochin) mit Zucker, Pfeffer und Elfenbein zu versehen. Über das Kap Komorin
reichte damals die Schiffahrt der hellenischen Ägypter in der Regel nicht hinaus (80 bis
89 n. Chr.). Der Nordostmonsun, welcher bereits Mitte Oktober eintrat, durfte zur Rück
reise nicht versäumt werden, wenn in einem Jahre Fahrt und Rückfahrt zurückgelegt
werden sollte. Gegen Pferde und andere Erzeugnisse ihres Landes kauften die Perser
die indischen Waren ein und brachten sie auf dem Euphrat über Assyrien nach dem
Pontus, dem Schwarzen Meer. Ägypten ging immer mehr seiner Handelsbedeutung ver
lustig, und Byzanz ward zum vornehmsten Zwischenmarkt Asiens und Europas. Fast der
gesamte indische Handel gelangte im Laufe des 6. Jahrhunderts in die Hände der
arabischen und persischen Kaufleute.
Mit dem Vordringen der Mohammedaner (die Anhänger des Propheten be
mächtigten sich 30 Jahre nach der Hedschra der Inseln Cypern, Kreta, Rhodus; in
den Jahren 634—636 gelangten sie in den Besitz von Damaskus, Emessa, Laodicea,
Antiochien, Aleppo, Jaffa und Jerusalem; im Jahre 640 fiel Ägypten in ihre Hände;
nach der Unterwerfung Spaniens besetzten sie Sardinien, Corsika und 827 Sizilien)
nahmen die Beziehungen Südeuropas mit Indien über das Mittelmeer ein vollständiges
Ende. Die Seeräuberei ließ das Mittelmeer lange verödet, und einen langen Zeit
raum hindurch trat die Schiffahrt fast vollständig in den Hintergrund. Bei den Arabern
war der Karawanenhandel zunächst die Hauptsache. Die Größe des nach und nach
eroberten Gebiets zwang schließlich die Araber, dem Verkehrswesen und dem Handel
Beachtung zuzuwenden. Der Handel mit Indien begann wieder eine Hauptrolle zu spielen,
und zu seiner Förderung legte Kalif Omar Basra oder Baffora am Euphrat oder
Schat el Arab an. Der maritime Verkehr erstreckte sich allmählich bis nach China und
den Sundainseln. Schiffahrt und Karawanenhandel vereint ließen die Städte Mekka,
Medina, Bagdad, Mossul, Damaskus, Baffora sich zu glanzvollen Handelsstädten ent
wickeln und die Stelle einnehmen, welche einst Babylon, Ninive, Persepolis und Palmyra
besessen hatten.
In den neu entstandenen Handelsstädten wurden die Reichtümer von ganz Asien
aufgehäuft. Die Märchen der „Tausend und eine Nacht" geben ein Bild von dem da
maligen orientalischen Glanz und Luxus. Das im Koran enthaltene Gebot der Gast
freundschaft erleichterte das kaufmännische Reisen. Auf den Hauptstraßen wurden Wasser
behälter und Karawanseraien angelegt, und zu einer Zeit, in welcher im Abendlande der
Straßenbau vielfach zu einer unbekannten Kunst wurde, waren die abbasidischen
Kalifen und die Chane des großen mongolischen Reiches bemüht, in ihren ungeheuren
Staatsgebieten die Verkehrswege auszubilden und dem Handel nutzbar zu machen. Zu den
fünf großen Würdenträgern gehörte im Kalifenreich der Staatssekretär für Kanzlei- und
Postwesen. 930 Poststatioiien waren über das ganze Reich zerstreut und wurden von be
sonderen Beamten verwaltet. Steinsäulen, auf denen die Höhe des Waren- und Straßen
zolls verzeichnet war, machten die Pikettstalion kenntlich, 10 000 Wachtleute hatten für
die Straßensicherheit Sorge zu tragen.
Die Einverleibung Chinas in das ungeheuer große Mongolenreich führte einen
weiteren Fortschritt auf dem Gebiete des Verkehrs herbei. Neben den zahlreichen neu
zur Erbauung kommenden Kanälen wurden gepflasterte Heerstraßen hergestellt, die mit