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II. Kapitel.
bestimmt wird: 1. von der Quantität des im Umlauf befindlichen Geldes;
2. von seiner „Leistungsfähigkeit“ oder Umlaufsgeschwindigkeit (oder der
Durchschnittszahl der jährlichen Umsätze von Geld gegen Güter); und
3. vom Umsatzvolumen (oder von der Menge der mittelst Geld gekauften
Güter). Die sogenannte „Quantitätstheorie“ v ), nach der die Preise in
direktem Verhältnis zur Geldmenge variieren, ist oft unrichtig formuliert
worden; die Theorie ist aber (wenn man vom Scheckumlauf absieht) korrekt
in dem Sinne, daß das Preisniveau direkt mit der in Umlauf befindlichen
Geldquantität variiert, vorausgesetzt, daß die Umlaufsgeschwindigkeit dieses
Geldes und das Volumen des Umsatzes, den es zu vollbringen hat, keine Ver
änderung erfahren.
Die Quantitätstheorie ist stets eine der schärfstumstrittenen Theorien
der Nationalökonomie gewesen, und zwar größtenteils darum, weil die An
erkennung ihrer Richtigkeit oder Unrichtigkeit mächtige Interessen in Handel
und Politik berührte. Man hat gesagt — und der Ausspruch ist kaum eine
Übertreibung — daß selbst die Theoreme des Euklid angefochten würden,
wenn einmal finanzielle und politische Interessen mit ihnen in Widerstreit
geraten sollten.
Die Quantitätstheorie ist leider zum Tummelplatz für ungesunde Wäh
rungsprojekte mißbraucht worden. Man berief sich auf sie zur Verteidigung
uneinlöslichen Papiergeldes und der freien Silberausprägung im Verhältnis
16 zu 1 in den Vereinigten Staaten. Infolge dessen gibt es nicht wenige
„Anhänger einer gesunden Währung“, die der Meinung sind, daß eine
Theorie, die zur Aufrechterhaltung solcher Verirrungen benutzt wird, falsch
sein müsse, und die aus Angst vor der politischen Tragweite ihrer Verbreitung
bewogen wurden, nicht nur gegen die ungesunde Propaganda, sondern auch
gegen die gesunden Grundsätze selbst Stellung zu nehmen, durch die ihre
Verteidiger die Theorie künstlich zu halten suchten * 2 ). Diese Angriffe auf
Q Diese, wenngleich oft nur vag formulierte Theorie ist von Locke, Hume, Adam
Smith, Ricardo, Mill, Walker, Marshall, I-Iadley, Fetter, Kemmerer und den meisten
Autoren, die sich über diesen Gegenstand geäußert haben, angenommen worden. Der
Römer Julius Paulus sprach im Jahre 200 nach Ohr. Geb. seine Überzeugung aus, daß
der Wert des Geldes von seiner Quantität abhänge. Vgl. Zuckerkandl, Theorie des Preises,
Kemmerer, Money and Credit Instruments in their Relation to General Prices, New York
(Holt), 1909. Allerdings wenden sich noch viele Schriftsteller gegen die Quantitätstheorie.
Vgl. insbesondere Laughlin, Principles of Money, New York (Scribner), 1903.
2 ) Vgl. Scott, „Sie ist eine sehr ergiebige Quelle falscher Lehren in geldwirtschaft
lichen Fragen gewesen und wird beständig und erfolgreich zur Verteidigung schädlicher
Gesetzgebung und als Mittel gebraucht, notwendige geldwirtschaftliche Reformen zu
hintertreiben.“ Money and Banking, New York, 1903, S. 68.