Der systematischen körperlichen Erziehung wird ein
besonderes Augenmerk zugewendet; das Ziel sind nicht
Spitzenleistungen, sondern eine möglichst gleichmäßige
Durchbildung der ganzen Masse der Zöglinge. Die Fort-
Schritte dieser Ausbildung werden durch ein nur an den
Bundeserziehungsanstalten eingeführtes Prüfungssystem,
die sogenannten „Leistungsprüfungen”, alljährlich fest-
gestellt. Wettspiele, Wanderungen, Skikurse, Schwimmen
vervollständigen die Maßnahmen zur körperlichen Er-
zichung,
Die Handbetätigung wird in den verschiedensten Formen
Setrieben: in den untersten Klassen beginnt sie mit
Bastlerei, dann folgen die auch sonst üblichen Arten des
Papierschnittes und Klebearbeiten, das Modeln und
Schnitzen, schließlich reife kunstgewerbliche Arbeiten
in verschiedenen Techniken. Die Verrichung gröberer
Arbeiten. in Haus und Hof sowie der streng sachliche
Betrieb des Handwerkes (hauptsächlich Tischlerei, Schlos-
Serei und Buchbinderei) soll die Zöglinge zur Achtung vor
der Arbeit anleiten und so späterhin helten, die Kluft
Zwischen den verschiedenen Berufsständen zu überbrücken.
Die Musikpflege, vor allem die Pflege des Volksgesanges,
aberauch der Instrumentalmusik, dienen der Gemütsbildung
und der künstlerischen Erziehung der auf diesem Gebiet
besonders begabten österreichischen Schüler.
Die Kunsterziehung wird auch durch Konzerte und
Theateraufführungen gefördert. Bei der Handarbeit ist
Nicht die Leistung, sondern die erziehliche Wirkung die
Hauptsache, die zielbewußte Arbeit aller daran Beteilig-
ten, die Unterordnung unter ein gemeinsames, der All-
Scmeinheit zugute kommendes Ziel; so gibt es zum
Beispiel für Theateraufführungen nicht ein fertiges Theater
Mit Kulissen und Kostümen; vielmehr werden alle Be-
helfe unter Zuhilfenahme der einfachsten Mittel von der
b treffenden Arbeitsgemeinschaft der Lehrer und Zöglinge
hergestellt. Das ist ein Stück Gemeinschaftserziehung
aber auch eine Anleitung zum Sichbescheiden und Sparen.
ES war ein Sprung ins Dunkle, die Lietz’schen Ideen,
Welche bisher nur an ganz kleinen Anstalten unter ganz
anderen Sozialen Verhältnissen erprobt worden waren,
auf Massenanstalten mit einigen Hundert Kindern aus
den Verschiedensten Schichten des Volkes zu übertragen.
Aber die nunmehr fast zehnjährige Arbeit scheint, wenn
Zählreichen Urteilen verschiedenster Beobachter zu trauen
St, zu beweisen, daß der Versuch trotz allen den
Anstalten wie allem Menschenwerk anhaftenden Mängeln
‘m ganzen gelungen ist.
„So dürfen wir uns in aller Bescheidenheit vielleicht der
Hoffnung hingeben, daß das kleine Österreich durch die
DAS KAUFMÄNNISCHE
Das kaufmännische Bildungswesen in Österreich, das
‘hon vor dem Weltkriege eine auch vom Auslande an-
kannte hohe Stufe einnahm, hat diese in dem ersten
!ahrzehnt des Bestandes der österreichischen Republik nicht
N . behauptet, sondern es sind auch erfreuliche Ansätze
ner gedeihlichen Weiterentwicklung vorhanden. Die kauf-
nnischen Lehranstalten in Österreich, die der kauf-
ännischen Praxis fachlich. ausgebildete Arbeitskräfte zu
Cefern bestimmt sind. sind die niederen und höheren
Wandmalerei der Zöglinge (Fries
Bundeserziehungsanstalt Wr.-Neustadt
Das Ferienheim in Naßwald, N.-Ö.
3Zundeserziehungsanstalten eine gewisse Vorarbeit für
lie Schule der Zukunft geleistet haben könnte, die auch
ınderen Völkern zugute kommen soll. Die kurze Skizze,
lie hier entworfen wurde, kann von dem Leben der
Anstalten selbst natürlich keine Vorstellung geben; viel-
eicht werden einige der eingerückten Bildchen, den
‚;orhergehenden Ausführungen in dieser Hinsicht zu Hilfe
somMmMmMen.
UNTERRICHTSWESEN
Tandelsschulen; die ersteren sind zweiklassig organisiert,
lie letzteren, sogenannte Handelsakademien. haben
;ijer Jahrgänge.
Die Handelsakademien, welche vornehmlich den
zroßhandel, die Industrie und im besonderen die Banken
nit Arbeitskräften zu versorgen haben, setzen die Voll-
;ndung des 14. Lebensjahres (im Kalenderjahre der Auf-
ı1ahme) und den vollendeten Besuch einer Untermittel-
chule voraus, doch finden an ihnen auch Ahbgvänger der