2. Anternehmer und Arbeiter.
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Düsseldorf 5298 Millionen und der Regierungsbezirk Wiesbaden 5128 Millionen
Mark. Dieses Vermögen hat den mammonistischen Trieb, sich vermehren zu wollen.
Dazu braucht es immer neue Anlagen, und zwar Industrieanlagen, Lypothekenanlagen,
Staatsschulden im Inland und Ausland. Es verlangt nach Gründungen, Bauten,
Maschinen, Schiffen, Plantagen, nach immer neuen Formen von Geschäften. Wenn
irgendwo und irgendwie der Schlaf über ein Wirtschaftsgebiet sich legen will, da genügt
das eine Wort „Geld", um es zu wecken. Alle Berge müssen ihre Schätze hergeben,
alles Ausland muß Tribut zahlen, Millionen Arbeiter müssen früh aufstehen und lange
Stunden arbeiten, endlose Güterzüge müssen fahren, Polen werden zu Lunderttausenden
nach Westfalen verfrachtet, neue Bedarfsartikel kommen auf, neue Städte entstehen, —
alles, weil das Kapital der neuen Aristokratie wachsen will. Der Kapitalismus ist
mit Gewalt gekommen, später als nach Frankreich und England, aber stürmischer.
Vom Deutsch-Französischen Kriege an, vom Milliardensegen her, begann das arme
Deutschland reich zu werden. Leute schon sagt man, es sei reicher als Frankreich,
und wenn es bis jetzt noch nicht reicher ist, so werden weitere zehn Jahre genügen,
es dazu zu machen. Einst gab es Schlösser nur in den Residenzen und auf Ritter
gütern, jetzt ist jede große Stadt von einem Gewinde feiner Villen umgeben, deren
beste unsere Vorfahren Schlösser genannt haben würden. Vor einem Menschenalter
reiste der Engländer allein in sonnige Fernen, jetzt gibt es kein Klima, wo nicht
deutsches Geld zu klirren beginnt. Der industtielle und kommerzielle Gewinn schafft
Menschen, die als Motto haben „leben und leben lassen", fleißig und sparsam, rastlos
im Geschäft, behaglich und opulent zu Lause, nur aber selten geneigt, das „leben lassen"
weit über sich und ihre nächste Sphäre auszudehnen*).
2. Unternehmer und Arbeiter.
((Sin Rückblick auf mein Leben.)
Von Alfred Krupp.
Krupp, Lin wort an die Angehörigen meiner gewerblichen Anlagen. Als Manuskript
gedruckt. Lssen, Buchdruckerei des Kruppschen Etablissements, ,877. S. 6—8 und S. w-
Es ist bekannt, daß im Jahre 1826 die verfallene Gußstahlfabrik ohne Vermögen
mir zur Führung anverttaut wurde. Mit tvenigen Leuten fing ich an, sie verdiente,t
mehr und lebten besser als ich; so ging es fast 25 Jahre fort mit Sorgen und mühe
voller Arbeit, und als ich dann eine größere Zahl von Leuten beschäfügte, war dennoch
mein Vermögen geringer, als was heute mancher Arbeiter der Gußstahlfabrik besitzt.
Es waren alle sehr brave Leute, mit denen ich die Arbeiten begonnen und durchgeführt
habe. Allen, von denen viele bereits in die Ewigkeit hinübergegangen sind, habe ich
meinen vollen Dank für ihre Treue bewahrt. Jene aber, die ich von der Lerde,
vom Pflug, als tüchtige Landwerker, als Arbeitslose von allen Professionen oder als
Kinder von Witwen angenommen habe, traten bereitwillig bei mir ein, weil sie ihr
Los verbesserten, und sie haben in den meisten Fällen auch dafür ihren Dank gerne
ausgedrückt. Mancher von ihnen ist ein wohlhabender Mann geworden. (Viele
Ältere, Meister und Arbeiter, die zum Teil schon vor ca. 46 Jahren bei mir eingetteten
sind, genießen schon seit lange ihre Pension; andere arbeiten noch mit voller Kraft
und alter Treue).
*) vergl. hierzu Richard Lhrenberg 5. 5^—55. — G. M.