Full text: Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

Hier sei dasselbe wiederholt, was wir schon bezüglich der Monats 
löhne gesagt haben, da die Ursachen dieser auf den ersten Blick eigen 
tümlichen Erscheinung dieselben sind. Im Jahre 1899, dem Jahre einer 
grossen Missernte, stehen die Monatslöhne so niedrig, dass ihre Summe 
für das ganze Jahr die Höhe der bedungenen Jahreslöhne nicht er 
reicht haben. 
§ IV. Bewegungen der Löhne. 
1. 
Wegen der schon oftmals erwähnten Unvollständigkeit der die 
Akkord-, Monats-, Frist- und Jahreslöhne betreffenden Angaben des Acker 
bauministeriums konnten wir die Angaben für die Lohnbewegungen aus 
dieser Quelle nur bezüglich der Tagelöhne benützen. Was die anderen 
Arten von Arbeitslöhnen anbetrifft, so haben wir für die Erörterung der 
Bewegungen der Löhne in verschiedenen Zeitabschnitten die Angaben 
der Gouverneurberichte benützt. — Wie schon oben betont wurde, sind 
diese Angaben für Betrachtungen über die Lohnbewegungen geeigneter 
als für die Betrachtung über die absolute Lohnhöhe. 
Die Weizenpreise sind bei der Untersuchung der Bewegung der 
Tagelöhne auf Grund der jährlichen Mitteilungen des Ackerbauministeriums, 
dagegen bezüglich aller anderen Arten von Arbeitslöhnen auf Grund der 
Materialien der Regierungskommission vom Jahre 1901 angegeben. 
2. Die Bewegungen der Tagelöhne. 
Vergleicht man die in der Tabelle LXXXIi zusammengestellten 
Angaben über die Bewegungen der Tagelöhne im Durchschnitt der zwei 
Jahrzehnte 1885—1894 und 1895—1904, so sieht man, dass für alle 
Arbeiterkategorien die Löhne in der 1. und 11. Periode d. h. zur Zeit der 
Bestellarbeiten und zur Zeit der Heuernte in dem Jahrzehnt 1895 - 1904 
höher, als in den Jahren 1885—1894 stehen. 
Was die Bewegungen der Tagelöhne in der 111. Periode d. h. zur 
Zeit der Getreideernte anbetrifft, so ergibt sich aus derselben Tabelle 
ein bedeutendes Sinken der Tagelöhne. 
Die durchschnittlichen Angaben für ganz Neurussland geben aber 
eine nicht ganz genaue Vorstellung von der wirklichen Bewegung der 
Tagelöhne in den einzelnen Gouvernements. 
Es sind noch immer in einzelnen Gouvernements verschiedene 
Faktoren, die die Lohnbewegungen verschiedenartig beeinflussen. Das
	        
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