fullscreen: Die Frau und die Arbeit

ben für den Druck. Sie hatte das letzte Wort gesagt im 
Kampfe des Weibes um eine menschenwürdige Existenz. 
Da überfiel die Soldateska während des Krieges ihr Haus. 
Die Schublade ihres Schreibtisches wurde erbrochen, das 
Manuskript ihres Lebenswerkes herausgezerrt und der 
Haufe gelockerter Blätter in Flammen gesteckt. Als sie 
nach dem Kriege in ihr Haus zurückkehrte, fand sie die 
verkohlten Reste. Das vorliegende Buch, von dessen Ent 
stehung während des Krieges die Autorin in der Einleitung 
erzählt, ist ein Fragment, eine Erinnerung an das zerstörte 
große Werk. Aber wir haben alle Ursache der Über 
setzerin zu danken, daß sie es den deutschen Lesern ver 
mittelt, denn es gibt kaum eine Schrift, die das Recht des 
Weibes auf Arbeit mit solch edlem Pathos und zugleich 
mit so überzeugender Verstandesmäßigkeit bewiese. Olive 
Schreiner trägt ihre Botschaft mit der Inbrunst jener glau 
bensstarken Naturen vor, die aus dem Zusammenbruch der 
puritanischen Weltanschauung die gehaltvollen Abbrevia 
turen Gleichheit und Gerechtigkeit in unsere sittlich ver 
armte Zeit herübergerettet haben. Dieser biblische Geist 
gibt allen Schriften der Olive Schreiner vorgeschichtliche 
Einfachheit, elementare Kraft und dichterische Weihe. 
Daß sie in ihrem Werke über Frauenarbeit ihr Pathos 
eindämmt und die Logik der Tatsachen sprechen läßt, er 
höht die Wirkung ihrer Botschaft. Ihre der Kulturgeschichte 
und Soziologie entnommenen Gründe für die wirtschaft 
liche Emanzipation der Frau werden ohne Leidenschaft 
vorgetragen, prägen sich aber ein vermöge des eigenen Ge 
wichts. Und alles, was Olive Schreiner in diesem Buche 
sagt, ist so gehalten, so maßvoll, so bildhaft und eindring 
lich, daß auch Gegner des Frauenrechts es nicht ohne Er 
hebung aus der Hand legen werden. 
LONDON, OSTERN 1914 
LEON KELLNER
	        
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