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Demokratie nicht Selbstzweck ist, sondern eines der Mittel zur Be-
treiung der Arbeiterklasse .. .“
inzwischen war es auch gelungen, da Lenin die „Iskra“ den
Menschewiki überlassen mußte **), im Dezember 1904 eine neue Zeit-
schrift, „Vpered“, herauszubringen, diese wechselte nach dem Partei-
tag ihren Namen und hieß bis zum November 1905: „Proletarij“.
Es ist hier nicht der Ort, die Einzelheiten der russischen Revolu-
tion wiederzugeben ®). Die Ereignisse, die zum „Blutigen Sonntag“
führten, sind bekannt, sie öffneten auch den friedlichsten Arbeitern die
Augen. Gewaltige Streiks aller Berufskategorien erschütterten bald
Rußland und die schon durch die Niederlagen im japanischen Kriege
geschwächte Regierung. Den Höhepunkt erreichte diese Bewegung im
und durch den Generalstreik, der sich über alle Gebiete Rußlands
verbreitete, die Regierung lahmlegte und den ganzen Verwallungs-
apparat zum Stillstand brachte. In weniger als einer Woche kapitu-
lierte die Regierung durch Veröffentlichung des kaiserlichen Mani-
festes vom 17./30. Oktober, das für die nächste Zukunft eine Konsti-
tution für Rußland, sowie die möglichst rasche Einberufung einer vom
Volke gewählten geseßgebenden Versammlung verhieß. In diesen
Tagen gelang es auch, die inzwischen überall entstandenen Sovets
zu einer Tagung in Moskau zu vereinigen. In Petersburg hielt der
Rat der Arbeiterdelegierten seine erste Sibung am 13./26. Oktober im
Technologischen Institut ab, und am Tage des Manifestes erschien die
erste Nummer der „Iswestija“, das Organ des Soviet. Lenin spielte
schon in dieser Zeit eine Hauptrolle. Er lebte damals illegal in Peters-
burg, durfte sich aber nicht öffentlich betätigen, da er so besser die
Leitung der Dinge in der Hand behalten konnte — die Bolschewistische
Dartei vertrat im Sowjet A. Bogdanow —, dennoch legte Lenin dem
aus der Zeit geborenen Arbeiterparlament die allergrößte politische
Bedeutung bei, während er der nur zur beratenden Körperschaft be-
stimmten Staatsduma so wenig Interesse entgegenbrachte, daß er
eine Wahlbeteiligung der Bolschewiki bekämpfte und seine Meinung
in der Partei durchseßte. Es war der ausgesprochene Gegensakb zu
der. Meinung vieler Menschewiki, die die russische Revolution im
wesentlichen als eine bürgerliche Revolution ansahen, bestimmt, die
Bourgeoisie zur Macht zu bringen und den bürgerlichen Staat zu er-
richten. Aus dieser Anschauungsweise ist auch die Führung und
14) Von Nr. 54 an finden sich in der „Iskra“ keine Artikel mehr von
Lenin, nachdem von Nr. 53 an die Redaktion von den Menschewisten über-
nommen war.
15) Siehe N. Troßky: „Rußland in der Revolution“. 2. vermehrte Auf-
lage. Berlin 1923. 80.