fullscreen: Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
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Schank damit verbunden worden sein, der zuerst vielleicht in eigener 
Regie geführt, später verpachtet wurde. Jedenfalls Hessen sich 
Privatpersonen nicht selten Wein in ihre eigenen Keller legen. 
Anders wäre es nicht nöthig gewesen, durch eine Taxe den Lohn 
der Weinträger zu regeln *. Wenn man es für zweckmässig erachtete, 
1 rägern vorzuschreiben, wieviel sie für den I ransport einer 
Pipe oder eines Fasses verlangen durften, so muss die Gewohnheit, 
Sich den Wein für den Hausgebrauch direct zu verschreiben, eine 
weit verbreitete gewesen sein. Dass die Einwohner den Wein in 
grossen Gebinden von 5 und 8 Ohmen oder mehr aus dem Raths 
keller bezogen, und die Taxe der Weinträger für die Beförderung 
des Weins aus dem Rathskeller in die Privathäuser galt, scheint 
ausgeschlossen. Weinkeller, bezw. Weinhäuser, werden daher auch 
zu Beginn des 16. Jahrhunderts mehrfach namhaft gemacht, bestanden 
äher gewiss schon früher. Dahin gehören Hans Konings Wein 
keller in der Kalkstrasse 1573* und Reynhold Germans Weinhaus 
Aiu Markte, das 1518 auf Hans Diderik überging. Nach dessen 
Pode kaufte die Wittwe des Herrn Berthold Fredericks es im 
Juhre is¡22 und überliess es vierzehn Jahre später Bartold Frederick, 
vermuthlich ihrem Sohne®. 
•Lasthäuser im heutigen Sinne wird man nicht erwarten in 
Alt-Kigii zu finden. Indess musste natürlich in irgend einer Weise 
die Unterbringung durchreisender oder anreisender Fremder 
gesorgt sein. Es fehlt noch ganz an einer Untersuchung über die 
j Wickelung dieses wichtigen Zweiges des \^erkehrs in Deutsch- 
•^ud . Soweit urkundliche Nachrichten in dieser Beziehung Auskunft 
geben, kann die Entstehung dieser Anstalten auf mehrfache (Gründe 
zurückgeführt werden. 
Pür arme, zunächst vielleicht nur kranke, in der Folge jeden- 
^lls auch gesunde Personen sorgte die Mildthätigkeit. Als die 
^ erbergerin der ,.elenden Gäste” (Fremden) und Pilgrime wurde 
^ heilige (jertrud angesehen, und ihr zu Ehren errichtete man aus 
privaten Mitteln Fremdenherbergen. So wurde in Lübeck im letzten 
Urittel des vierzehnten Jahrhunderts das (iertrudengasthaus hinter 
dem Heiligengeistspital eröffnet\ und von dem an der Spitze 
^ Napiersky, Lib. red. II, 463. 
g Napiersky, Erbeb. II, 1547, ibob 
^ l'^^piersky. Erbeb. II, 364, 1147, 1427. 
Ih. V. Liebenau, Das Gasthof- und Wirthshauswesen d. Schweiz. Zürich i8qi. 
Mantels in Hansische Geschichtsbl. 1872, S. 143 — 144.
	        
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