Full text: Bedarf und Absatzmöglichkeiten in Sowjetrußland

Die „Ekonomitscheskaja Shisn“ stellt unterm 13. Juni 
1926 in Nr. 134 mit Befriedigung fest, dass die Schwer- 
industrie im Wachstum die anderen Industriezweige über- 
holt, und sieht in dem ‚„vorauseilenden Wachstum der 
eisenschaffenden Industrie das wichtigste Merkmal dafür, 
dass das Land sich wirklich erholt und allmählich ein 
neues wirtschaftliches Gebäude auf sicherer Grundlage er- 
cichtet wird.“ — Es erscheint uns doch recht bedenklich, 
aus den voraufgeführten, einer Halbmonatsschrift der Han- 
delsvertretung „Die Volkswirtschaft der Sozialistischen 
Sowjet-Republiken“ (Nr. 9 bis 10) entnommenen Zahlen 
Solche in höchstem Grade optimistischen Schlüsse zu ziehen. 
Im übrigen neigen die sowjetrussischen Publizisten sehr 
dazu, Zukunftspläne zum Ausgangspunkt ihrer Betrach- 
tungen zu machen, die dann von ihnen schlechtweg als 
reale Tatsachen hingenommen werden. Sehen wir uns 
einmal im folgenden diese Pläne näher an: 
1925 28 
1926/27 
1927/28 
1928/29 | 
1929/80 
Jahr 
Steinkohlen-! Roheisen- 
gewinnung gewinnung 
Rohstahl- 
gewinnung 
ause "on 
25.200 2.811 2.950 
30.300 8.115 | 8.582 
35.100 - 3.964 | 8.797 
39 300 — 
43.500 
Walzwerks- 
erzeugnisse 
BB 
2.197 
2.623 
3.0°6 
Es ist hier zu fragen, ob diese Pläne sogar in der 
nächsten Zukunft von Bestand sein werden; denn z. B. 
wurde der Produktionsplan von Jugostal (Südstahltrust) 
für das laufende Jahr dreimal geändert, als Folge dessen 
sich eine Verminderung der Roheisenerzeugung um 7,5%, 
Rohstahlgewinnung um 6,5% und Walzwerkserzeugnisse um 
9,2% zeigte. Unter solchen Verhältnissen erscheint es zum 
mindesten verfrüht, mit vorweggenommenen pPlanmässigen 
Zahlen wie mit realen Tatsachen zu operieren. Eine Unter- 
suchung jener Bedingungen, unter denen gegenwärtig und 
wahrscheinlich noch auf lange Zeit hinaus der Stein- 
kohlenbergbau und die eisenschaffende Industrie der Union 
werden arbeiten müssen, überzeugt nur noch mehr davon, 
mit welcher Vorsicht die Prognose der sowjetrussischen 
Publizisten aufzunehmen. ist. 
Das Programm des Aufbaues der Steinkohlenindustrie 
nach dem Voranschlag des ‚„Gosplan“ (Staatl. Plankom-
	        
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