Object: Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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wurde das Oel dann endlich in die von den Kunden mitgebrac 
Gefässe gefüllt. 
Dies ist in rohen Umrissen das Petroleumgeschäft vor kau 
20 Jahren! Wie ganz anders jetzt! Radikale Aenderungen ha 
ben den Erwerb sehr vieler Existenzen ganz vernichtet oder doch 
erheblich geschmälert, ein ganzer blühender Handelszweig ist 
nahem Untergange geweiht, aber das Geschäft als solches nimmt 
von Jahr zu Jahr riesenhaftere Dimensionen an, trotz Gas, Elek 
trizität und Spiritusglühlicht. Die Gesamteinfuhr stieg beständig, 
von 320731 tons im Jahre 1880 auf 1106282 tons im Jahre 1903, 
also während dieser Zeit auf über das Dreifache. Auch der Be 
darf pro Kopf steigt noch immer. Er betrug im Durchschnitt der 
Jahre 
1866/70 : 
1,87 
kg 
1896/1900 
16,97 
kg 
1871/75 : 
3,75 
» 
1901 
16,89 
» 
1876/80 : 
5,4° 
» 
1902 
16,87 
» 
1881/85 = 
8,54 
» 
1903 
17,37 
» 
1886/90 : 
I I,6l 
1904 
17,35 
» 
1891/95 : 
14,82 
» 
Petroleum ist ein Massenartikel xax’ e^oX'fyv. Grosse Quali 
tätsunterschiede sind, wie bereits eingangs erwähnt, nicht vor 
handen. Reklame wäre bei der eigentümlichen Gestaltung des 
Zwischengrosshandels zwecklos gewesen. So blieb beim Zusam 
menprall der mächtigen Interessentengruppen im Kampfe um den 
Markt nichts anderes übrig, als möglichst billig zu verkaufen. 
An der Ware selbst konnte man aber wegen ihres sehr geringen 
spezifischen Eigenwertes unter normalen Verhältnissen nichts 
verdienen. Es blieb also nur ein Weg: Verbilligung des Trans 
ports durch Verkürzung des Weges vom Importeur zum Detail 
listen. Durch den Zwischenhandel wurde die Ware übermässig 
verteuert. Seine Ausschaltung war einfach ein Gebot der Zweck 
mässigkeit, ja der Notwendigkeit. Die Marksteine auf dem Wege 
von dem eben geschilderten Verhältnis bis zum heutigen sind 
also die folgenden: Verbilligung des Transports an sich, Vermin 
derung der Leckage, Ausschaltung des Zwischenhandels. Zu 
nächst musste man sein Augenmerk auf ersteren richten, um sich 
erst einmal eine geeignete Operationsbasis zu schaffen. 
Wie man, zuerst in Amerika, den Transport des Oeles in 
Holzfässern verliess und diese durch eiserne Emballagen ersetzte, 
wie man Tanks, Tankschiffe, Röhrenleitungen baute, ist schon 
kurz erwähnt worden. In Deutschland machte man sich die drü 
ben gemachten Erfahrungen bald zu nutze: schon 1886 liefen die
	        
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