DAS WIENER INTELLIGENZ-COMPTOIR
Angelus von Sumaran, ‚„Hispanus gente‘, Professor der
fremden Sprachen an der Wiener Universität, bei der nieder-
österreichischen Regierung um die Erlaubnis ansuchte, hier
„secundum Parisiensem formam‘‘ eine „taberna merca-
toria‘ einzurichten, die der Jurisdiktion der Universität
unterstellt werden sollte. Die Regierung verlangte hierüber
ein Gutachten vom akademischen Senate und dieser übergab die
Sache der theologischen Fakultät zur Erledigung. Formelle
wie materielle Gründe bestimmten die Fakultät zu einem ab-
weislichen Bescheid. Vor allem war sie gegen die Unterord-
nung der Fragstube unter die Jurisdiktion der Universität,
weil sonst deren Gericht mit Streitigkeiten überlastet werden
könnte; weiters wäre nach ihrer Meinung zu befürchten, daß
durch diese taberna mercatoria eine Art Monopol geschaffen
und viele Personen, die von der Geschäftsvermittlung leben, um
ihr Brot gebracht würden; schließlich trat sie dem Vorschlage
auch entgegen, weil die Fragstube infolge des regen Verkehrs,
der sich dort entwickeln könnte, leicht zu einem „seminarium
peccatorum‘“‘, zu einer Pflanzstätte der Sünde würde. Daß die
niederösterreichische Regierung nach dieser Äußerung die
angesuchte Bewilligung nicht erteilte, braucht wohl kaum
gesagt zu werden.
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Fünzig Jahre schlummerte nun der Plan. Erst Wilhelm
Freiherr von Schröder griff die Idee wieder auf, indem er
in seinem 1686 erschienenen Werke „Fürstliche Schatz- und
Rentkammer‘“‘ (98. Kapitel) zur F örderung des Verkehrs die
Errichtung eines Intelligenz (Kenntnis-) Comptoirs, ver-
bunden mit der Ausgabe eines Intelligenzblattes
empfahl, aber es währte noch eine Reihe von Jahren, bis der
Gedanke Gestalt und Körper annehmen sollte.
Zur Bekämpfung des Bettelwesens, das nach der Türken-
invasion stark überhand genommen hatte sowie zur Versorgung
der Armen und der abgedankten Soldaten erbaute Kaiser
Leopold I. von Österreich das sogenannte Großarmenhaus vor
dem Schottentor und betraute eine eigene Kommission mit der
Aufgabe, die Mittel für dessen Erhaltung zu schaffen. Nach
langen Beratungen, denen auch der Wiener Stadtrat zugezogen
wurde, schlug sie endlich die Schaffung eines Versatz- und