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POLITISCHE DEMONSTRA TIONEN
bereits die ersten Auflagen seiner Trotz- und Kampfschriften
erreichten die für damalige Verhältnisse sehr große Zahl von
mehr als 10000 Stück.
Das Flugblatt wurde im Gegensatze zu seiner Bedeutung
für die Wahlreklame, wo ihm auch heute eine sehr große Be-
deutung zukommt, in der Ideenreklame vom 18. Jahrhundert
ab durch das Zeitungswesen stark verdrängt. Für die lei-
tenden Ideen wurde eine eigene Presse (politische, sozial-
politische, nationale) geschaffen, welche im Gegensatz zur
eruptiven Art des Flugblattes unablässig und unermüdlich
die Bevölkerung beeinflußt. Auch das Plakat wird selbst-
verständlich weitgehendst derIdeenreklame dienstbar gemacht‘!).
Bemerkenswert sind hier die von der Reichsarbeitsverwaltung
und vom Verbande Deutscher Berufsgenossenschaften heraus-
gegebenen Plakate, um einen Teil des Tätigkeitsprogrammes,
nämlich die Unfallverhütung, in den Kreisen der beruflich
Tätigen zu verbreiten (s. Abb. 166).
V. Demonstrationen.
Unter Demonstrationen versteht man im politischen Leben
die Handlung einer Mehrheit von Parteigenossen, die mit der
Absicht vorgenommen wird, den Standpunkt, den die Demon-
strierenden in Ansehung einer politischen Frage einnehmen,
in geeigneter Weise kundzugeben:
Das Mittel, durch Demonstrationen eine politische Idee
zu verbreiten, steht bereits an der Grenze dessen, was man
noch als Reklame bezeichnen kann, da ja gemäß der in der Ein-
leitung wiedergegebenen Ansicht der Fachwissenschaft und
literatur das Wesen der Reklamewirkung darauf beruht, die
Mitmenschen in einer Form zu beeinflussen, damit sie sich in
eigener, freier Entschließung, ohne Gewaltanwendung und
5hne Furcht oder Drohung für den gewollten Zweck entscheiden;
die Erfolge, welche eine Beeinflussung durch Zwang erzielen,
fallen bereits nicht mehr in das Gebiet der Reklame. .
Demonstrationen sind ebenso wie die übrigen Mittel der
[deenreklame nur bei Bestehen gewisser politischer Frei-
1) Siehe Kompert, Plakate als wirtschaftliche Kampfmittel,
„Seidls Reklame‘‘, Heft 8 ex 1925.