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tiver Beziehung vom emotionellen Glauben ab
weicht und in dem, was sie festhält, doch ganz auf
ihm basiert, und was ihr Schicksal sein muß: Der
Deismus hat nämlich als Ideenrichtung, welche über
haupt mit Aussicht auf Erfolg vertreten werden kann,
das 18. Jahrhundert nicht überlebt, obgleich er ge
rade heute ungefähr den tatsächlichen Ansichten der
Mittelschichten der europäischen Gesellschaft, vor
allem also des industriellen Bürgertums entspricht.
Er brach zusammen zwischen zwei Feuern. Alle,
denen der Glaube tiefes Bedürfnis war, wandten sich
grimmig gegen diese Verwässerung alles dessen,
was dem religiösen Leben Gehalt und Farbe gibt, und
alle, die vom Glauben wirklich los und sich mit der
erfahrungsmäßig gegebenen Welt begnügen wollten,
wandten sich nicht weniger entschieden gegen diesen
— zwar verwässerten — Glauben. Beide hatten
von ihren Standpunkten recht, und so muß es allen
solchen Versuchen gehen. Zweitens ist der Deis
mus für uns interessant, weil er eine Zwischenstufe ist
zwischen dem Offenbarungsglauben früherer For-
sche%enerationen und einigen der Weltanschauungen,
dis aus der Forschertätigkeit im 19. Jahrhundert er
wuchsen, nämlich den verschiedenen Arten von „Ma
terialismus“, wie ich in Ermangelung eines besseren
Wortes sagen will. Diese waren zwar keine Theo
logie mehr, aber sie waren die Frucht einiger der
Tendenzen, die aus der „natürlichen Theologie“ ent
standen. Man sieht, den Versuch, der im 18. Jahr
hundert so schlecht gelang, gab auch die Folgezeit
nicht ohne weiteres auf; die Entwicklungsrichtung —