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wurden. An sich liegt auch im Worte „Regalien“ (was dem Könige
gehört), weder etwas, was nur auf privatrechtliche oder nur auf nutz
bringende Rechte gedeutet werden könnte. Deshalb werden wir uns
nicht zu verwundern haben, wenn als Regalien im Mittelalter auch
solche Rechte genannt wurden, denen, weil sie weder einen privat
rechtlichen noch einen nutzbringenden Charakter an sich tragen, von
heutigen Rechtslehrern die Regalitätseigenschaft abgestritten wird l .
Die Ronkalische Konstitution (Const. II, 56 im über feudorum)
vom Jahre 1158 bezeichnet als Regalien die nachstehenden Gegen
stände :
(Regalia sunt haec): armandiae, viae publicae, flumina navigabilia
et ex quibus fiunt navigabilia, portus, ripatica, vectigalia quae vulgo
dicuntur thelonea, moneta, mulctarum poenarumque compendia,
bona vacantia, et quae, ut ab indignis, legibus auferuntur, nisi
quae specialiter quibusdam conceduntur, et bona contrahentium
incestas nuptias, et condemnatorum, et proscriptorum secundum
quod in novis constitutionibus cavetur, angariarum, parangariarum,
et plaustrorum, et navium praestationes, et extraordinaria collatio
ad felicissimam regalis numinis expeditionem, potestas constituen-
dorum magistratuum ad justitiam expediendam, argentariae et
palatia in civitatibus consuetis, piscationum reditus et salinarum,
et bona committentium crimen majestatis, et dimidium thesauri
inventi in loco Caesaris non data opera, vel loco religioso; si data
opera totum ad eum pertineat.
Die Konstitution bezeichnet somit Rechte der allerverschiedensten
Art als Regalien. Von diesen ist z. B. die Befugnis, Magistratsbehörden
zum Zwecke der Rechtsprechung einzusetzen, zweifellos weder ein
Privatrecht, noch ein Recht des Fiskus, noch endlich ein Nutzungs
recht, so daß die Ansicht Hüllmanns 2 , wonach Regalien ursprünglich
mit Fiskalien vollkommen identisch, nämlich königliche Nutzungen ge
wesen sein sollen, unhaltbar ist. Hüllmann selbst führt an einer anderen
Stelle 3 die Militärhoheit (heribannus regalis), das Recht, castella cum
turribus et propugnaculis zu errichten (mundburg) unter den Regalien
auf, also Rechte, welche nicht lukrativer Art sind. Das Recht, Gerichts
behörden einzusetzen, das Recht auf die armandiae (Heerbannsgelder),
1 Vgl. Gerber, Deutsches Privatrecht, 11. Auf!. § 67 S. 171 ff. Boehlau, De
regalium notione p. 1—4 u. a. m.; s. auch v. Düngern, Die Staatsreformen der
Hohenstaufen, Festgabe für Zitelmann, besonders S. 70.
2 Geschichte des Ursprungs der Regalien S. 5, 6.
3 ,S 11/12.