Full text: Amerikas internationale Kapitalwanderungen

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Inzwischen hat sich aber, insbesondere im Süden, ein lähd- 
liches Proletariat gebildet, d. h. es leben dort ungefähr 
700 000 kleine Pächter, die jährlich 450—600 Dollar ver- 
dienen und hiervon ein Drittel, teilweise sogar die Hälfte als 
Pachtzins an die Eigentümer abgeben. Die politisch immer 
stärker werdende Bewegung der Landwirtschaft, der sich 
ein Teil der Arbeiter angeschlossen hat, ist für die Ver- 
staatlichung der Eisenbahnen und gegen die weitere Ausbrei- 
tung der Exportindustrie; sie will das in ihrem Interesse 
ausgeführte Kapital für die Intensivierung der Landwirt- 
schaft verwendet wissen. 
Eine andere Wolke am innerpolitischen Himmel der 
Vereinigten Staaten ist die ebenfalls immer radikaler wer- 
dende Arbeiterbewegung. Der vor kurzem verstorbene ame- 
rikanische Gewerkschaftsführer Samuel Gompers, Präsident 
der 4,5 Millionen Mitglieder zählenden American Federation 
of Labor, hat es jahrzehntelang verstanden, dieser Be- 
wegung jedes politische Moment fernzuhalten. Das war 
nicht schwer, so lange vor dem Kriege die Aufstiegsmög- 
lichkeiten für jeden tüchtigen Arbeiter die Lohnarbeit zum 
Durchgangsstadium für ihn machten, Heute ist der größte 
Teil der Arbeiterschaft dem Großunternehmertum lebens- 
Jänglich dienstbar, so daß die Bestrebungen Eingewanderter, 
besonders aus Rußland, sie im revolutionär-marxistischen 
Sinne zu organisieren, einen breiten Resonanzboden finden, 
und die Erfüllung des Wortes, das einst Bismarck zu Karl 
Schurz sagte, vielleicht nicht allzufern ist: „Die Probe 
auf die demokratischen Prinzipien Amerikas wird kommen, 
wenn — was unausbleiblich ist — in Amerika der große 
Kampf zwischen Arm und Reich angehen wird.“ Zu den 
innerpolitischen Sorgen der amerikanischen Regierung ge- 
hört auch die zunehmende Ausbreitung der bolschewistischen 
Lehre unter den Schwarzen der Union. 
Die politischen und wirtschaftlichen Reibungsflächen 
der Vereinigten Staaten mit Japan sind mannigfaltiger Natur 
und können hier nur angedeutet werden. Sie liegen in Kali- 
fornien, in das Japan seine Einwanderer schicken will, 
in dem als Absatzgebiet für die amerikanische Exportindu- 
strie unentbehrlichen China mit seinen 400 Millionen Ein- 
wohnern, deren politische und wirtschaftliche Oberherrschaft 
Japan erringen möchte, in Mexiko, Südamerika und den 
Philippinen, in denen der japanische Warenhandel der ameri- 
kanischen Exportindustrie mehr und mehr Konkurrenz macht, 
während Schiffahrtslinien und Ansiedlungen die Basis der 
Warenausfuhr von Jahr zu Jahr verbreitern, Vorläufig wird 
8 kaum zu einem Krieg zwischen den beiden Nationen 
v., Reibnitz, Kapitalswanderungen
	        
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