Kein Oberhaupt.
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ab. Bei dem Wanderleben der Mönche änderte sich naturgemäß
die Zusammensetzung der einzelnen Mönchsgemeinden häufig, und
es blieb nicht aus, daß von fern herkommende Mönche Ansichten
mitbrachten, die der betreffenden Gemeinde fremd waren und zu
ihrem bisherigen Leben nicht paßten. Fand sich dann nicht eine
Persönlichkeit, die unter den Mönchen sich Ansehen zu verschaffen
wußte, so war eine Spaltung in Parteien fast unausbleiblich.
Ein wirklicher Rangunterschied zwischen den Mönchen war nicht
vorhanden. Man sonderte zwar unter ihnen eine Anzahl aus,
die man als 8tbavira, Pali Thera, „die Alten", bezeichnete,
unter den Nonnen als 8tbaviri, Pali Theri. Diese entsprachen
aber nur dem Namen nach den christlichen Presbytern. Die
Sthaviras waren nicht, wie die Presbyter, Beamte, sondern
8tbavrra war ein Ehrentitel, den man Mönchen gab, die schon
lange ordiniert waren. Lediglich ihr Alter und ihre größere Er
fahrung in Gemeindeangelegenheiten wies ihnen eine Art Vor
rang zu; gesetzlich war derselbe nicht bestimmt. In Wahrheit war
die ganze Gemeinde, der Samgha, die oberste Autorität. Das
zeigt sehr deutlich die Geschichte der sogenannten vier buddhistischen
Konzile (Zaiuxitü), aus der auch hervorgeht, wie schwer man die
Spaltungen empfand, und wie man ihnen abzuhelfen suchte.
Die unehrerbietigen Worte, die 8nbbadra nach dem Tode Bud
dhas gesprochen hatte, und die für die Gemeinde das Schlimmste
befürchten ließen (S. 41), bestimmten Nabäbäsyapa, nach der
Verbrennungsfeierlichkeit Buddhas in Lnsinagara den dort ver
sammelten Mönchen vorzuschlagen, eine Kommission zur Fest
stellung des Gesetzes (dharma, Pali dhamma) und der Diszi
plin (vinaya) einzusetzen. Die Mönche gingen auf den Vor
schlag ein, und Kääyapa wählte 499 Arhats (S. 91) und als
fünfhundertsten den Luanda, der bald die Arbaischaft erreichen
sollte. Die Gemeinde bestätigte die Wahl und wählte als Ver
sammlungsort Eäjagrlia. Es wurde beschlossen, daß die 500 die
Regenzeit in Räjagrha verbringen, und daß während dieser Zeit
kein anderer Mönch sich in der Stadt aufhalten solle. So geschah
es auch. König Asäiasatru errichtete für die 500 Arbats eine
Halle am Berge Vaibbära in der Nähe seiner Hauptstadt. Die
Versammlung wurde im zweiten Monat der Regenzeit eröffnet
und dauerte sieben Monate. Mit Hilfe des üpäli (S. 34) revi
dierte Käsyapa die Vorschriften über die Disziplin, und mit Hilfe
des Auauda die über das Gesetz. Der Tradition nach wurde also