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spekulativer Besitz gekauft, als Ausgleich für die Lie-
ferung von Eisenbahnmaterial und Maschinen oder aber als
abstraktes Zahlungsmittel nach Europa gekommen sind, ist
naturgemäß nicht festzustellen, so daß nur die Effekten-
schuld der Union an sich in den Kreis unserer Betrachtungen
gezogen werden kann.
Muß sich daher die folgende Darstellung zum großen
Teil auf schätzungsweise ermittelte Zahlen beschränken, so
findet sie ihre Rechtfertigung in dem Umstand, daß
Nordamerika bis zum Weltkrieg ein Musterbeispiel für die
passive Seite des internationalen Effektenkapitalismus,
danach für das Gegenteil ist. Während England, Deutsch-
land und Frankreich fast ihr gesamtes Kapital im eigenen
Lande geschaffen haben, hat die Union einen großen Teil
ihres Kapitals aus der alten Welt bezogen und ihre poli-
tische Unabhängigkeit, wenigstens in den, ersten hundert
Jahren ihres Bestehens, mit finanzieller Abhängigkeit be-
zahlen müssen.
2. 1776 — 1812.
Wie in jeder jüngeren Kolonie beruhte die wirtschaft-
liche Entwicklung Nordamerikas zuerst auf dem Zufluß
von Menschen und Kapitalien aus dem Mutterlande, Schon
Ende des siebzehnten Jahrhunderts zählte es 260000 bri-
tische Untertanen, fünfzig Jahre später war es eine Million.
Von den 3929000 Menschen, die die erste Volkszählung
1790 ergab, hatte die Hälfte englisches Blut, Welche Werte
Großbritannien an Maschinen und Geräten, Zuchtvieh und
Pferden, Lebensmitteln und barem Gelde in die junge
Kolonie steckte, ist nicht einmal schätzungsweise zu er-
mitteln,
Die Kolonisation des Landes ging rein geschäftsmäßig
vor sich, denn die für jede Expedition erforderlichen Mittel
wurden durch Ausgabe von Aktien aufgebracht, die man
bezeichnender Weise „bills of adventure‘ nannte. Die ersten
beiden Kolonialgesellschaften wurden 1606 gegründet ‘*).
Auch späterhin galt Nordamerika nur als Ertragsobjekt, und
als die Erwerbung Indiens und der siebenjährige Krieg so
ungeheure Aufwendungen erfordert hatten, daß die Gesamt-
summe der englischen Kriegsanleihen 1763 auf 140 Mill. £
gestiegen war, suchte man möglichst viel aus dem jungen
Lande herauszuschlagen, Der Einfuhrhandel war britischen
Schiffen vorbehalten, die Ausfuhr war nur nach englischen
Häfen erlaubt, die in den Anfängen steckende industrielle
\ Katherine Coman. Industrial History of the United States. S. 23 ff.