demisch gebildete Beamte der Postsparkassa entffallen.
Nicht eingerechnet in diese Zahlen sind jene Beamten
ausländischer Behörden, die teils durch längere, teils
durch kürzere Zeit die Vorlesungen des Institutes be-
sucht haben. In dieser Hinsicht wäre auch zu bemerken,
daß die polnische Regierung im Herbst 1928 34 Be-
amte des Sicherheitsdienstes zu einer sechsmonatigen
Ausbildung im Kriminaldienste zur Polizeidirektion ent-
sendet hat. Um das kriminalistische Studium der Beam-
ten der Polizeidirektion möglichst zu fördern, hat der
Polizeipräsident hesondere Studienstipendien ausgesetzt.
In Verbindung mit dem Kriminalistischen Institute steht
das Kriminalistische Laboratorium, das nicht nur
praktischen Uebungen, sondern auch wissenschaftlichen
Untersuchungen, insbesondere in’ schwierigen Kriminal-
fällen dient. Um seinen Aufgaben entsprechen zu können,
ist das Laboratorium mit den erforderlichen Instrumen-
ten und sonstigen Einrichtungen ausgestattet. Zusammen-
‚assend darf gesagt werden, daß die Polizeidirektion in
den beiden Anstalten Einrichtungen besitzt, denen — außer
etwa der scuola scientifica di polizia in Rom —kaum eine
andere in Europa an die Seite gestellt werden kann.
Nicht geringere Sorgfalt wird aber der Ausbildung der
neuaufgenommenen Sicherheitswachebeamten zu-
gewendet. Die Ausbildungszeit dauert zwei Jahre;
daran schließt sich eine viermonatige exekutive Dienst-
leistung und ein viermonatiger Schlußkurs. Lehrgegen-
stände sind die Vermittlung der polizeilichen Grund-
begriffe, der Organisation und des Wirkungskreises der
Polizeibehörden, der Organisation der Sicherheitswache
und der für den Sicherheitswachebeamten wichtigsten Be-
stimmungen des Strafgesetzes, der Strafprozeßordnung,
der Verfassungsgesetze, des allgemeinen bürgerlichen
Gesetzbuches und der besonders in Betracht kommenden
polizeilichen Vorschriften. Zugleich wird auf die Ver-
mehrung der Lokal- und Personalkenntnisse, auf Plan-
iesen und dergleichen besonderes Gewicht gelegt. Die
fachliche Schulung umfaßt weiter die Kenntnisse des
Telegraphierens, der Handhabung des Feuersignal-
apparates, des Schwimmens und Schiffahrens, die erste
Hilfeleistung bei Unfällen und Verletzungen, die Hand-
habung der Schuß- und Hiebwaften, den Anschauungs-
anterricht im Verkehrswesen und in kriminalpolizeilichen
Angelegenheiten, ferner eine intensive Pflege der Körper-
ausbildung. Diesem Zwecke dient auch die pflichtgemäße
Erlernung des Jiu Jitsu-Verteidigungskampfes und die
sportliche Betätigung.
Die Ausbildung der tüchtigsten Wachebeamten zu
Chargen findet in der sogenannten Chargenschule
statt. Zur Aufnahme in den Stand der leitenden
Sicherheitswachebeamten ist die erfolgreiche Ab-
legung einer besonderen Befähigungsprüfung er-
{orderlich. Der Vermehrung der Sprachenkenntnisse
der Sicherheitswache wird ein besonderes Augenmerk
„ugewendet. Ende des Jahres 1927 waren bei der Wiener
Sicherheitswache 103 Sicherheitswachebeamte durch
Sprachenabzeichen (für Tschechisch, Englisch, Französisch,
Italienisch, Polnisch, Rumänisch, Serbokroatisch, Slo-
wenisch, Ungarisch und Esperanto) gekennzeichnet. Diese
Beamten haben besonders während der Wiener Messen
ersprießliche Dienste geleistet.
Auch die Schulung der neuaufgenommenen Kriminal-
yJeamten ist sehr eingehend. Sie umfaßt insbesondere
ine Ausbildung in jenen Wissenszweigen sowie (ech-
ıschen Fertigkeiten, die zur ersprießlichen Durchführung
criminalpolizeilicher Erhebungen erforderlich sind, wie
nsbesondere das Vorgehen auf dem Tatorte, das Auf-
auchen, Sichern und Verwerten von Spuren, der dakty-
askopische Erkennungsdienst und dergleichen. Außer-
lem wird der Kriminalbeamte auch noch in der Kenntnis
ler Gesetze und Vorschriften unterwiesen.
Aber auch auf die Beschaffung der Studienwerke und
ler für den Polizeidienst wichtigen Erscheinungen der
"achliteratur wurde Bedacht genommen. Abgeschen von
len für die Beamten der Sicherheitswache und für
lie Kriminalbeamten eingerichteten, auch belletristischen
Zwecken dienenden Bibliotheken, wurde vom Polizei-
präsidenten eine eigene Amtsbiäbliothek des Poli-
zeipräsidiums geschaffen, die von fachkundigen Be-
amten verwaltet wird. Der Bestand dieser Amtsbibliothek
ımfaßte im zweiten Drittel des Jahres 1928 bereits 2000
Nerke und 142 Zeitschriften gegen 050 Werke im Jahre 1918.
die Bibliothek wird von den Beamten der Polizeidirektion
n immer mehr steigendem Maße in Anspruch genommen.
Im Jahre 1927 entschloß sich der Polizeipräsident auch
zur Errichtung eines Archivesder Polizeidirektion,
las zur wissenschaftlichen Bearbeitung und Verwahrung
zeschichtlich interessanter Akten bestimmt ist. Dieses
\rchiv wird auch dadurch an Bedeutung gewinnen, daß
än Teil des „Archives für Inneres und Justiz” bei dem
3rande des Justizpalastes im Jahre 10927 vernichtet
vurde und so das Material der Polizeidirektion eine will-
iommene Ergänzung des erhaltenen Restes bieten wird.
n diesem Zusammenhange kann auch der Gründung des
‚olizeilichen Fachblattes „Oeffentliche Sicherheit”
?olizei-Rundschau der österreichischen Bundes- und Ge-
meindepolizei und Gendarmerie, Frwähnung getan
werden, Das Blatt hat die Aufgabe, den Sicherheits-
beamten die Fortschritte der Kriminalwissenschaften zu ver
mitteln und jene Neuerungen kritisch zu prüfen, deren
Kenntnis für eine erfolgreiche polizeiliche Tätigkeit erfor-
Jerlich ist, fachmännische Erklärungen von Gesetzen und
Verordnungen zu bieten, über dieJudikatur der Obersten
Gerichtshöfe, über die Fachliteratur usw. zu informieren
Daß der österreichische Sicherheitsdienst . während des
Bestandes der Republik seine. gewiß schweren Aufgaben
‚ederzeit restlos gelöst und in dieser Hinsicht nicht bloß
;jeine rühmliche Tradition aufrechterhalten hat, sonder?
auch hinsichtlich seiner Schlagfertigkeit und Erfolgsbereit-
;chaft namhafte Fortschritte aufweisen kann, ist jedem
ınbefangenen Beurteiler klar. Die Höhe, zu der sich de!
5sterreichische Sicherheitsdienst emporarbeiten konnte
<ommt auch in der Wertschätzung zum Ausdrucke, die
las Ausland der österreichischen Polizei entgegen“
bringt. Es muß hervorgehoben werden, daß es imme!
wieder die Polizeidirektion in Wien ist, die das Ziel der
Studienbesuche aus aller Herren Länder bildet und die
Zahl der Staaten, die Polizeibeamte zur Ausbildunß
ıach Oesterreich, insbesondere nach Wien entsender-
st in steter Zunahme begriffen.
Diese gewiß schönen Erfolge sind aber ganz besonders
der rastlosen Arbeit der Sicherheitsbeamtenschaft alle!
Trade zu danken. Denn eine verfassungsmäßige Ausg“