Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

amgewandelt. Die Lehrkanzel für Geophysik und 
Meteorologie erhielt neben ihren bisherigen Studien- 
behelfen an der Zentralanstalt für Meteorologie und 
Geodynamik einen kleinen Lehrapparat an der Uni- 
versität selbst. An die Stelle der einen Lehrkanzel 
für Anthropologie und Ethnographie traten zwei ge- 
sonderte, für physische Anthropologie und für Völker- 
kunde. Von dem Orientalischen Institut wurde das 
[ndogermanische Institut und das Institut für Ägypto- 
logie und Afrikanistik als selbständige Studienein- 
richtungen abgetrennt. Für Afrikanistik wurde ein 
Fxtraordinariat errichtet, für Chinesische Sprache und 
Geschichte ein Honorarprofessor bestellt, desgleichen 
für Experimentelle Phonetik. Der Kreis der Lektorate 
wurde durch die erhöhte Pflege der Vortragskunst 
und durch die Aufnahme der Fächer Bibliotheks- 
kunde, Buchhaltung und Apotheken- und Sanitäts- 
kunde erweitert. Um den Studierenden die Möglich- 
keit zu geben, ihr Fach in den weiteren Zusammenhang 
des Bildes von der Kultur der Gegenwart und des 
Weltbildes der modernen Wissenschaft einzufügen, 
hat die philosophische Fakultät zusammenhängende 
Vortragsreihen für Hörer aller Fakultäten einge- 
richtet; bisher wurden solche über „Wesen und 
Entwicklung des deutschen Geistes”, über die „Vorge- 
schichte Deutschlands und Nordeuropas” und über 
das „Weltbild. der Naturwissenschaft” abgehalten. 
Die volkstümlichen Universitätskurse wurden durch 
Veranstaltung zusammenhängender Vortragsreihen 
ausgestaltet: „Wien, sein Boden und seine Geschichte” 
1922/23), „Die österreichischen Alpen” (1926/27), 
„Die Religionen der Erde” (1927/28). 
An der Grazer philosophischen Fakultät wurde 
das Pädagogische Seminar, das Englische Proseminar 
und ein Laboratorium für pharmazeutische Chemie 
neu eingerichtet, ferner besondere Lehrapparate für 
Prähistorische Archäologie und für Volkskunde. Das 
Psychologische Laboratorium wurde mit dem Philo- 
sophischen Seminar vereinigt, die altgeschichtliche 
Abteilung des Historischen Seminars in ein selbstän- 
diges Seminar für alte Geschichte und deren Hilfs- 
wissenschaften umgewandelt. Das Institut für physi- 
kalische Chemie wurde durch einen Zubau zu dem 
Chemischen Institute vollkommen neu ausgestaltet 
and an die Stelle der bisherigen außerordentlichen 
Professur ein Ordinariat geschaffen. Für Phytopaläon- 
tologie wurde ein Extraordinariat errichtet mit einem 
Laboratorium und dazugehörigen Sammlungen. Für 
Spätantike und Byzantinische Philologie wurde eine 
außerordentliche Professur geschaffen. Ständige Lehr- 
aufträge wurden für Psychologische Jugendkunde, für 
Vektorenrechnung mit Übungen, für Pharmazeutische 
Chemie, für das pflanzenphysiologische Praktikum 
der Pharmazeuten für Physikalische Geologie und 
Geologische Länderkunde, für Steiermärkische Ge- 
schichte und für Volkskunde erteilt. In Erfüllung der 
allgemeinbildenden Aufgaben, welche die Universität 
iber ihren Lehrbetrieb hinaus verfolgt, wurden die 
‚olkstümlichen Universitätskurse weitergeführt und 
ne zusammenhängende Vortragsreihe für Hörer 
ıller Fakultäten mit dem Thema „Das Wesen und 
lie Auswirkungen des deutschen Volkstums“ (1025/26) 
ıbgehalten. 
An der Innsbrucker Philosophischen Fakultät 
wurden ein Institut für Heimatkunde, ein Musik- 
‚istorisches Institut und eine Urgeschichtliche Samm- 
ung neu eingerichtet. Das Gipsmuseum wurde als 
Archäologische Sammlung ganz neu aufgestellt; an 
las Epigraphische Seminar wurde eine Epigraphische 
Sammlung angegliedert, bestehend aus römischen 
Jriginalschriftsteinen, Nachbildungen griechischer In- 
schriften und Abklatschen und Autographen antiker 
‘nschriften. Beträchtliche Erweiterungen erfuhren das 
Chemische Institut, das Mineralogisch-petrographische 
nstitut und das Geologisch-paläontologische Institut; 
n letzterem wurde durch Heranziehung von Bestän- 
len des Museum Ferdinandeum eine neue große 
Schau- und Lehrsammlung für die Geologie der 
"iroler und Vorarlberger Alpen aufgestellt. Im An- 
schluß an das Philosophisch-pädagogische Seminar 
wurde im Sommersemester eine Arbeitsgemeinschaft 
mit Lehrern der niederen und der Mittelschulen be- 
gründet, in der Vorträge über psychologische, päda- 
zogische und philosophische Fragen abgehalten wer- 
Jen. In besonderen Vorträgen von Mitgliedern der 
philosophischen Fakultät über „Die Alpen“ werden 
‚amentlich die zahlreichen von auswärts kommenden 
Hörer in die Besonderheiten der Alpenländer einge- 
führt. Die volkstümlichen Universitätsvorträge erhielten 
im neuen Universitätsgebäude einen schöneren Raum 
ihr Vortragsplan wurde weiter ausgebaut. 
Theologie. 
An den Katholisch-theologischen Fakultäten 
wurde der Unterricht namentlich hinsichtlich der philo- 
sophischen Disziplinen intensiviert und wurden einig® 
1eue Lehraufträge erteilt so an der Universität Wien für 
Kunstgeschichte, Kirchengeschichte und Spezielle Dog- 
natik, in Graz für Christliche Archäologie und Kunst- 
zeschichte und für Methodik des Religionsunterrichte“ 
an. Mittelschulen. 
Die Evangelisch-theologische Fakultät ip 
Wien wurde im Wintersemester 1922/23 als fünfte 
Takultät der Universität eingegliedert. Nach der 1927 
srfolgten Neuordnung der Studien wird die Kandidaten“ 
zrüfung nunmehr von der Fakultät vorgenommen; 
die oberste Kirchenbehörde entsendet hiezu für jedes 
der beiden evangelischen Bekenntnisse einen Ver- 
treter. Der Grad eines Licentiaten wurde aufgehoben 
ınd es wird künftighin nur mehr der Grad ein®® 
Doktors der Theologie verliehen werden, für desse” 
irlangung die Vorlage einer druckreifen Dissertation 
ınd die Ablegung zweier Rigorosen die Voraussetzun? 
»silden.
	        
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